Neapel mit Kind gefährlich?

2 Antworten

Neapel ist genau so (oder nicht) gefährlich wie andere Großstädte der Welt auch! Dort wie auch in vergleichbaren großen Ansiedlungen gibt es natürlich eine gewisse Kriminalität, die jedoch gerade in Neapel in aller Regel kaum für Touristen zum Tragen kommt.

Neapel selbst ist eine wunderbare, sehr interessante und erlebnisreiche Stadt. Es gibt viel zu entdecken und erkunden - den Vesuv mit den kleinen Dörfern an seinem Fuß, die Ausgrabungsstätten Pompeij oder Herculaneum, die kleinen Gassen der Altstadt mit ihren typischen Handwerksbetrieben (besonders hübsch die der Krippenbauer), eine Reihe von beeindruckenden Bauwerken und natürlich die unzähligen kleinen Trattorien, Pizzerien oder Ristorante. Dazu kommt die ungeheure Kinderfreundlichkeit der ItalienerInnen, die einen Urlaub mit einem Kleinkind gerade im tiefen Süden Italiens zu einem unvergeßlichen Erlebnis werden ließe!

Für einen längeren Urlaub mit Kleinkind ist die Stadt aber nur bedingt geeignet, schon gar im Sommer, wenn manchmal eine unerträgliche Schwüle herrscht. Mein Vorschlag wäre daher, vielleicht 1 'Kultur-Woche' in Neapel zu bleiben und für den Rest des Urlaubs weiter zu fahren. Die Inseln Capri und Ischia sind mit Fähren gut zu erreichen, der Küstenstrich Amalfitana ist auch nicht weit. Alles allerdings sehr überteuert und überlaufen.

Ein bis zwei Stunden Autofahrt weiter südlich ist man dann schon an den Ausläufern des Cilento mit seinen ebenfalls sehr schönen Küsten. Dort gibt es Sandstrände rings um Paestum, Agropoli bis nach Castellabate. Eine Küstenformation ähnlich der Amalfitana, mit Steilküste und dazwischen liegenden kleinen Buchten (teilweise nur mit Boot erreichbar), allerdings oft nur mit feinem Kiesstrand, beginnt dann etwa bei Marina di Ascea und geht über die Halbinsel Palinuro bis Marina di Camerota.

Neapel ist im Hochsommer ziemlich leer, die Küsten südlich davon sind allerdings die 'Sommerfrische' für die Bewohner der Stadt und umliegenden Orte bis hoch nach Rom - auch deswegen, weil sie Jahr für Jahr für ihre sehr gute Wasserqualität ausgezeichnet werden. Also je nachdem, wann Ihr fahren möchtet, heißt es früh reservieren! Es gibt Hotels, Bed&Breakfasts, Agritourismi (meist mit realem Bauernhof im Hintergrund - das wäre sicherlich besonders schön für Euer Kind), aber auch Zeltplätze, oft mit direktem Strandzugang, die auch Zelte, Wohnwagen oder Ferienhäuser/-wohnungen vermieten.

Grundsätzlich finde ich ja, daß es einem Kleinkind ziemlich egal ist, wo es Urlaub macht - solange enge Bezugspersonen dabei sind und es deren ungeteilte Aufmerksamkein hat :-), von extrem langen Autofahrten mal abgesehen. Aber selbst letztere kann man mit viel Pausen und Beschäftigung so gestalten, daß es für ein Kleinkind okay ist (selbst mehrfach mit meiner Enkeltochter von 2-6 Jahren durchgeführt).

Viel Spaß in diesem zu Unrecht oft geschmähten Teil Italiens, schöne Kontakte und unvergeßliche Erlebnisse für Euch!

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung – Habe den Süden seit über 50 Jahren häufig besucht

steffma 
Fragesteller
 07.05.2018, 19:48

Danke für die ausführliche Antwort. Ich hab mir mal Capri und Ischia hab ich mir mal angsehen. Was lohnt mehr Capri oder Ischia? Wir suchen einen schönen Strand und wollen auch mal 2 oder 3 Tage wandern.

Die Preise sind auf beiden Inseln allerdings schon heftig.. Brauch man auf den beiden Inseln überhaupt ein Auto?

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Roetli  08.05.2018, 00:14
@steffma

Für Ischia und Capri gilt Ähnliches wie für die Amalfitana etc. - öffentliche Strände sind mehr als rar, alles fest in Hotel-Hand oder Steilküste! Ein Auto braucht man ncht unbedingt, die Sträßchen und Wege gehen aber Kinderwagen-unfreundlich ganz schön steil rauf und runter. Es gibt aber auch öffentliche Verkehrsmittel. Auf Ischia sind ältere Herrschaften, die dort die Thermalquellen nutzen meist in der Überzahl...

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"Neapel sehen und sterben". Da hätte ein Kleinkind noch viel Zeit....

Neapel ist quirlig. Neapel ist laut. Neapel ist hektisch. Neapel ist Klasse. Aber auch stressig, wenn man noch auf ein Kind aufpassen muss. Wenn man Buggy schieben muss, Neapel ist alles andere als eben; manche Strassen berühren sich -scheinbar- auf dem Stadtplan, real ist eine Mauer mit acht Höhenmetern dazwischen, Treppen usw.

Neapel als Basis halte ich für keine gute Idee (wenn, dann auf den Höhenlagen am Vomero oder Posilipo, allein wegen des Blicks). Ich würde eher andersherum denken, Basis ausserhalb und dann mal Neapel rein. Roetli hat schon zahlreiche gute Hinweise gegeben.

Ergänzend, schau mal in den Nordwesten des Golfs von Neapel, so Baia, Bacoli, Miseno, Torregaveta. Da wohnten weiland schon diejenigen Römer, die es sich leisten konnten und genossen die heissen Bäder und, wie Plinius, den Blick auf den explodierenden Vesuv. Heute vor Allem Naherholung der Neapolitaner.

Jede Menge Archäologie vor Ort. Nicht die ganz grossen Nummern a la Pompei, dennoch viel Lohnendes. Geologie live in den schwefelstinkenden Fumarolen der phlegräischen Felder. Sandstrand gibt es in Torregaveta, direkt am Endbahnhof der Ferrovia Cumana, einer S-Bahn-artigen, zugegeben etwas verranzten, Zugverbindung in einer guten halben Stunde nach Neapel rein.