Fettnäpfchen in Lateinamerika mit spanischem Spanisch?

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5 Antworten

Hallo,

also mein "Favorit" ist immer noch "hecho polvo", was direkt übersetzt "Staub gemacht" heisst und (in Spanien) bedeutet, dass man viel getan hat und müde ist.

In Lateinamerika verstehen die Leute garantiert "echo polvo", was dann soviel bedeutet wie "ich habe ejakuliert" Das ist dann höchstens bei Frauen witzig, weil die Leute in den allermeisten Ländern Lateinamerikas Obszönitäten stark ablehnen.

Generell würde ich mit solchen "idiomatischen Ausdrücken" also Redewendungen, sehr vorsichtig sein und es eher einfach und klar formulieren, also gem. obigem Beispiel "soy cansado". Statt "coger" verwendet man "tomar".

Generell ist das sehr schwierig zu verallgemeinern, so auch mit der bereits genannten Sprechgeschwindigkeit. In Bolivien und Peru eher langsam, wogegen die Kolumbianer meiner meinung nach den Geschwindigkeitsweltrekord halten.

Generell sind Spanier kurz angebunden, wenn man in Spaniem jemandem einen Kaffee anbietet, dann reicht ein "?(Quieres un) café?", in vielen Ländern Lateinamerikas sagt man "?Te provoca un cafe?" (bei umgedrehten Satzzeichen stürzt bei mir hier die Website ab). Man drückt sich also etwas blumiger und umständlicher aus, die spanische Methode wird als unhöflich empfunden.

Typisch ist auch der exzessive Gebrauch von Verkleinerungsformen in Lateinamerika (cafecito, amigacita usw.), was allerdings eher für Freundlichkeit als für Verniedlichung steht. Der Konjunktiv ist im allgemeinen Sprachgebrauch weniger üblich als in Spanien.

Wie schon in einer anderen Antwort angedeutet, sind im (dortigen) Castellano die 2. und 3. Person Plural identisch.

In Kolumbien habe ich erlebt, dass die "th"-Aussprache des "c" eher als witzig wahrgenommen wird, dort spricht man es wie ein "ß", also z.B. conferen"ß"ia.

So gigantisch sind die Unterschiede also nicht. Beschrieben habe ich die Unterschiede zum Español Coloquial, also dem gültigen "Schulspanisch", dass aber vielleicht einmal die Hälfte der Spanier spricht.

Klappt schon!

LG

(smile) Gute Antort!:-)

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@Seehund

Muss mich korrigieren, heisst oben natürlich "estoy cansado", ausser man wäre grundsätzlich und immer müde, dann könnte man "ser" verwenden. Aber das ist ja nur bei wenigen Menschen der Fall. Ist mir gerade eben noch aufgefallen.

LG

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Es gibt schon eine Reihe peinlicher Fettnäpfchen, in Lateinamerika wird Vieles anders gesagt und ausgedrückt. "Tu madre" oder "tu padre" z.B. ist unangebracht, praktisch eine Beleidigung. "Tu madre!" könnte man frei mit "F...k deine Mutter!" übersetzen. Man spricht immer, ausnahmslos von mama oder papa, und zwar vom Bauern bis zum Präsidenten. "coger" ist das was beim Sex passiert und heißt nicht einfach "holen" wie in Spanien. Usw - die Liste solcher Bedeutungsverschiebungen ist gar nicht so kurz. Eine gute Hilfe sind die kleinen Sprach- und Slangführer der Reise-Know-How-Reihe.

Das mit "tu madre" etc. kommt aber auch auf das Land an, es muss nicht schlimm sein.

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Mach dir da mal nicht so einen Stress. Klar gibt es Unterschiede im Sprachgebrauch und da kannst du natürlich mal in ein Fettnäpfchen treten. Aber auf der anderen Seite, merken die Leute dort ja auch, dass du nicht von dort bist und werden dir solche "Fehler" nachsehen. Wenn dir also mal "coger" oder "estoy hecho polvo" rausrutscht, dann bringst du bestimmt die allermeisten Leute zum Lachen, als dass du irgendwie Probleme bekommen würdest. Die Leute in Lateinamerika sind sehr offen und herzlich, die nehmen dir so etwas sicher nicht krumm.

Man sollte nicht zu schnell reden. Ich hatte anfangs das Problem, dass mich die Leute für hektisch gehalten haben, weil ich mit normaler zentralkastilischer Geschwindigkeit gesprochen habe.

Irgendwelche Kloppse sind mir jetzt nicht in Erinnerung. Einige spanische Vokabeln wirken auf Latinos etwas antiquiert. Coche, dinero oder ordenador sind beipielsweise nicht so geläufig. Besser: auto, plata, computerdora.

Achja, und zweite Person Plural ist auch nicht geläufig in Lateinamerika.

Genau so sehe ich es auch. Generell gilt aber doch in jedem Land, dass man schon mal gut ankommt, wenn man die Landessprache spricht. Und wenn es nicht perfekt ist und einem ein paar Fehlerchen unterlaufen... so what. die Leute freuen sich trotzdem, dass man ihre Sprache gelernt hat

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Hallo aus Chile!

Zwar wurden hier schon ein paar relativ allgemein gültige und bis auf ein paar kleinere Fehler auch anwendbare Strukturen erklärt, den Landesdialekt an sich erlernt man aber erst bei einem längeren Aufenthalt, bei dem man sich viel mit den verschiedensten Gesellschaftsschichten trifft. In Chile gibt es VIELE Eigenheiten, einige davon liste ich hier auf:

  1. Die Verbendung -as wird zu -ai, -es wird zu -í.
  2. Coche (Auto in Spanien) ist ein Kinderwagen in Chile. Das Auto heisst in Chile genau so!
  3. Bus ist ein Überlandbus, in Städten heissen Stadtbusse Micro.
  4. Man verschluckt meist das s.
  5. Das "rr" wird sehr stark auf der Zungenspitze gerollt.
  6. Viele Ausdrücke kommen darüberhinaus von den Ureinwohnern (z.B.Pololo/a - fixer Freund(-in), pololo kann aber auch ein Gelegenheitsjob sein), chamuyo - Unordnung, chupaya - Strohhut, etc.), aber auch von deutschen Einwanderern (z.B. kinder - Vorschule, kuchen - Kuchen, strudel - Strudel).

Die Eigenheiten würden den Rahmen hier übersteigen, daher mein Rat zu Beginn des Posts.

...was eben dazu führen sollte, idiomatische Ausdrücke europäischen ursprungs zu vermeiden, schon weil sie nicht verstanden werden...

LG

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