Wie auf Märkten verhandeln, wenn man einfach zu "nett" ist?

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4 Antworten

Ich vermute einmal, es hilft wenig, wenn die Vorredner hier angeben, man habe es im Blut oder es sei ein Sport zu handeln. Denn gerade das scheint ja Dein Problem zu sein.

Ich bin immer wieder begeistert, wenn mir Menschen etwas zu überhöhten Preisen verkaufen können, weil sie mich auf dem falschen Fuß erwischt haben. Allerdings bin ich genauso begeistert, wenn ich schaffe, etwas knallhart herunter zu handeln.

Du musst dabei keine Scheu an den Tag legen, denn eines ist immer sicher: Niemand wird Dir etwas verkaufen, wenn er daran nicht verdienen würde. Die Geschichte kann noch so grausam und herzerweichend sein, wenn schließlich Ware und Geld die Hände wechseln, hat der Händler auf jeden Fall ein Geschäft gemacht. Niemand verkauft Dir etwas, wenn er nicht daran verdient. (Oder er/sie ist dumm wie Brot und hat es nicht anders verdient.)

Mein Tipp: Die Geschichten um die Ware, den Händler und dessen Familiensituation sind als Deko zu verstehen. Du solltest Dich aber auf Ware und Preis konzentrieren. Blende den Rest aus, biete aus Prinzip am Anfang immer höchsten 50% des Preises. Erhöhe in kleinen Schritten und langsam. Es ist manchmal besser nicht zu kaufen, als sich einen Quatsch zu überhöhtem Preis aufschwatzen zu lassen.

Handeln gehört in vielen Ländern mit dazu. Ich handle zum Beispiel für mein Leben gern. Es macht mir Spaß und dem Händler meistens auch. Ich überlege mir auch vorher schon, ob ich das gute Stück wirklich brauche/möchte um das ich handeln werde. Der nächste Schritt ist dann, was kostet so etwas hier bei uns? Was möchte ich höchstens dafür ausgeben, wie viel ist es mir wert? Und dann geht es los. Wenn ich mehrere Tage an einem Ort bin, schaue ich auf jeden Fall täglich beim Händler vorbei. Und jeden Tag geht der Preis noch ein bißchen weiter runter. Bis ich dann meinen Preis habe - oder auch nicht. Keine Sorge, daß der Händler das gute Stück verkauft. Wenn er dein ehrliches Interesse wahrnimmt, dann hebt er dir das ausgesuchte Stück im Hinterzimmer auf und holt es flux hervor, kaum daß du zur Tür herein kommst. Wenn du natürlich auf einer Gruppenrundreise bist, sind die Voraussetzungen für's Handeln eher schlecht. Denn da pressiert es ja immer. Und zum Handeln braucht man sehr viel Zeit. Und Unmengen Tee werden dabei getrunken. Fazit: Bei ausgeschriebenen Preisen auf dem Markt (Lebensmittel) wird ohne Handeln bezahlt. Ansonsten liegst du – egal in welchem Land du bist – bei 30 % immer richtig. Bedenke auch, dass die Händler und Hersteller auch noch Leben müssen. Und beim Verkäufer muss ja auch noch was hängen bleiben.

Wenn Du schon den Vorteil hast dort einheimische Freundiinnen zu haben, dann nimm sie doch einfach mit auf den Markt. Wenn es wirklich echte Freundinnen sind, die Dir gut wollen, dann werden sie Dir auf jeden Fall helfen.

Sinnvoll wäre es, dass zuerst die eine oder andere Deiner Freundinnen quasi "für sich" einkauft. Der Verkäufer muss ja nicht wissen, dass das Produkt für die unerfahrene Europäerin daneben ist. Beobachte Deine Freundinnen genau, wie sie in den Preisverhandlungen vorgehen. ("Lernen durch Beobachtung" nennt man das wohl)

Beobachte auch in Ruhe andere Anwesende beim Verhandeln, vergleiche die Warenqualitäten und versuche im Lauf der Zeit ein Gespür für das Preisgefüge zu bekommen.

Zu große Eile schadet dabei.

Gehe die Sache dann endlich in Ruhe an. Setze Dir ein realistisches Preisziel.

Gelungen ist das Ganze dann, wenn Du mit dem Preis zufrieden bist und der Verkäufer Dich freundlich verabschiedet - wenn also beide Seiten ein gutes Geschäft gemacht haben.

Handeln, "dieLiebste" - ist ein Sport, eine Leidenschaft, das liegt im Blut! (erhöht den Puls, sorgt für gute Durchblutung, ist also auch äusserst gesund!)

In südlichen Ländern kommst du ohne zu Handeln kaum durchs Leben... angeblich soll es schon passiert sein, dass jemand in Italien auf einem Markt ohne zu handeln kaufen wollte (Signora, ich habe acht Kinder, eine Kranke Schwiegermutter, meine Frau ist schwanger, ich gebe Ihnen diese echte Spitzenbluse um sagenhafte 100.000 Lire! - ca. 53 Euro -) nun, die potentielle Käuferin wollte sich ob der "Familienumstände" nicht als geizig darstellen lassen und schlug ein.

Der Händler: Signora, bitte, bitte! - Handeln Sie doch, so macht mir das Geschäft keine Freude!!

Also - mache dem nächsten Händler seine Freude, rette seinen Tag, HANDLE MIT IHM!!

Liebe Grüsse!

(eine Spitzenblusenbesitzerin, eine letztendlich 50.000 Lire-Zahlerin)

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