Frage von Basti1905, 46

Welche Sicherheitsvorkehrungen vor Zentral und Südamerikareise?

Hallo zusammen, Ich plane momentan eine Amerikareise und möchte innerhalb von 24 Monaten einmal von New York bis nach Uruguay reisen. Unter anderem möchte ich auch nach El Salvador, Guatemala. Nun habe ich mich ein wenig erkundigt und was ich bezüglich der Reisesicherheit herausgefunden habe bereitet mir ein wenig Kopfzerbrechen.. Hat jmd Reiseerfahrung in den beiden Ländern, besonders El Salvador? Kann ich bedenkenlos alleine San Salvador auf eigene Faust erkunden (selbstverständlich Tagsüber) oder benötigt man dafür einen Guide? Ich handel vor Ort stets umsichtig, bin mir sicher, dass ich außerhalb der Städte wenig Probleme haben werde, kann jedoch die Lage in den Städten schlecht einschätzen.

PS: Habe schon Reiseerfahrung in Neuseeland und Südostasien (u.a. auch in Kambodscha) gesammelt, kam dort nie in Brenzliche Situationen, jedoch waren dies alles sehr sichere Länder.

Ich hoffe jmd kann mir diesbezüglich weiterhelfen. Über eine ehrliche Einschätzung des Risikos oder über eigene Erfahrungen würde ich mich freuen

Peace!

Antwort
von Roetli, 30

Meine persönliche Erfahrung ist, daß ich auf den entsprechenden Seiten des Auswärtigen Amtes nachschaue, die in Aussicht gestellten Gefahren für mich als sehr reiseerfahrene Travellerin ein wenig relativiere und dann mit offenem Sinn und aller Menschenkenntnis und Lebenserfahrung, die ich inzwischen habe, durch solche und andere Länder reise. http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Laenderinformationen/LaenderReiseinformationen... Wobei Du natürlich Recht hast bzgl. SOA und Neuseeland - die sind mit Lateinamerika nicht zu vergleichen.

In Mittelamerika sind derzeit wohl nur Costa Rica und vielleicht noch Belize als mehr oder weniger 'sichere Länder' einzustufen. Meine Erfahrung ist jedoch, daß es auch in allen anderen Ländern Bereiche gibt, die man durchaus gut bereisen kann (alles andere sollte man dann auch besser 'links liegen lassen') - aber der Teufel ist ein Eichhörnchen, passieren kann theoretisch immer etwas. Also gerade die Ratschläge bzgl. Reisezeiten, mit sich getragener Wertsachen, möglicher Naturkatastrophen ernst nehmen und einen Plan B für den Notfall bereit halten.

Was Du unbedingt bedenken solltest - weder in Mittel- noch Südamerika wirst Du abseits der größeren Städte (und oft sogar dort!) auf viele Einheimische treffen, die Englisch sprechen. Dort wird fast nur Spanisch (manchmal auch das nur rudimentär) und die jeweils eigene Sprache gesprochen. Also auch von daher ein großer Unterschied zu den von Dir bisher bevorzugten Reisezielen und schon deswegen vielleicht für Dich nicht einfach zu bereisen.


Kommentar von Roetli ,

Du solltest Dich vielleicht auch bei der 'Elektronischen Erfassung Deutscher im Ausland' registrieren - in Notfällen könntest Du bzw. Deine Begleit- oder Kontaktpersonen benachrichtigt werden https://elefand.diplo.de/elefandextern/home/registration!form.action

Kommentar von Basti1905 ,

Danke für die schnelle Antwort! 

Ich denke ich werde mir zumindest für die Städte einen Guide holen. Da ich ja weit im Norden starte kann ich ja mal ab Mexiko ausschau halten, ob da vlt. der ein oder andere Reisende, der schon in El Salvador und Guatemala war und den einen oder anderen Tipp parat hat. Ansonsten kann ich ja immer noch vor Ort abwägen, ob das Risiko eher als hoch oder niedrig einzuschätzen ist, auch Städte, wie San Salvador zu besichtigen. Ansonsten würde ich auch auf Workawaystellen zurückgreifen. Da arbeitet man ca. 4 std am Tag (Z.B. im Hostel oder auf der Farm) für kostenlose Unterkunft und kann sich auch nochmal mit anderen Reisenden oder Locals austauschen. 

Das fast nur Spanisch gesprochen wird war mir bereits klar, aber danke für die Info. 

Meinst du ein Internetsprachkurs für ca. 40 - 60 Std reicht aus um dort klar zu kommen? Mein Französisch ist recht passabel und sehr unterschiedlich sind sich die Sprachen ja nicht. 
Ich könnte dann in jedem Fall nach dem Weg fragen und mit Einheimischen small talk führen, jedoch hätte ich dann nur Basisvokabular drauf und es könnte sein, dass ich schnell gesprochenes Spanisch schlecht verstehe. 

Würdest du meine Spanischkenntnisse in dem Fall als problematisch sehen? Wie waren deine Sprachkenntnisse als du das erste mal in Mittel oder Südamerika warst? 

Stimmt es, dass der Grenzübertritt von Panama nach Kolumbien nicht mit dem Bus oder Auto machbar ist?

Und noch eine letzte Frage: Ist trampen auch in Mittelamerika möglich? Jetzt weniger wegen der Sicherheit sondern eher ob man überhaupt mitgenommen wird. Zudem wollte ich mir in den USA ein Zelt kaufen und dann wildcampen. Hast du da Erfahrung?

Danke nochmal für die Antwort! Ich hoffe das waren jetzt nicht zu viele Fragen auf einmal, ich war nur gerade auf deinem Profil und du wirkst auf mich sehr erfahren, weswegen deine Meinung mir sehr helfen könnte. Das wird mein bislang größtes Abenteuer und die Planung steckt noch in den Kinderschuhen. 

Ansonsten wünsch ich noch einen schönen Abend. 

PS: Dein Buch schau ich mir auch mal an ^^

Kommentar von Roetli ,

Ja, eine Intensiv-Sprachkurs sollte ausreichen - vielleicht auf jeden Fall die Phrase lernen "bitte sprechen Sie etwas langsamer" :-) Damit (und ein paar Französisch- und Italienisch-Vokabeln) bin ich nach 4-Wochen-Intensiv (allerdings erschwerend in Buenos Aires erlernt...) ganz gut durch über 6 Monate Süd- und Mittelamerika gekommen

Workaway ist eine gute Idee, da kommst Du auch noch intensiver mit Einheimischen in Kontakt und Dein Spanisch wird sich schnell einschleifen.

Ich würde mal annehmen, die größeren Städte müssen nicht per se gefährlicher sein als das flache Land. Man sollte sich zum einen aber nicht voyeristisch verhalten und die Stadtteile oder Gegenden meiden, die als gefährlich gelten (die Einheimischen können einem meist sehr genau sagen, wo es gefährlich wäre), aber dort gibt es in aller Regel sowieso nichts Interessantes zu sehen.

Ja, das stimmt, daß man von Panama nach Kolumbien nur per Schiff oder Flugzeug kommt. Der dazwischen liegende etwa 100 km lange 'Darien Gap' wird von einem streng geschützten Naturschutzgebiet verursacht, das wg. extrem seltener Flora und Fauna nicht betreten oder befahren werden darf.

Trampen stelle ich mir extrem schwer vor - gerade weil überwiegend Einheimische von kriminellen Übergriffen ihrer Landsleute betroffen sind. Aber aus Sicherheitsgründen würde ich Dir das in keinem Fall empfehlen - was weißt Du schon, wer Dich mitnimmt. Gleiches gilt für Wildcampen - freies Zelten ist ein Abenteuer, das Du überall in Lateinamerika nicht eingehen solltest (überdies müßtest Du dann evtl. auch noch einen Schlafsack mitschleppen, in den höheren Lagen kann es manchmal nachts sehr kühl werden). Das wären zwei Abenteuer, die ganz schnell ins Auge gehen könnten.

Es gibt überall ordentliche Hostels, Hotels, manchmal auch Privatquartiere, die nur ein paar wenige $ kosten, ein Bett in Schlafsälen manchmal nur 1 oder 2$ pro Nacht. Dazu hast Du dann noch den Vorteil, andere Traveller kennen zu lernen und vielleicht den einen oder anderen guten Tipp für die Weiterreise zu bekommen.

Grundsätzlich: Lateinamerika ist m.E. ein schlechtes Pflaster für mutwillig herbei geführte "Abenteuer" - das kann man woanders einfacher und 'lebensverträglicher' haben. Aber ansonsten sind die meisten Länder dort mit die schönsten und interessantesten Reiseziele, die ich je bereist habe. Und wenn man mit Respekt und einer großen Portion gesundem Menschenverstand unterwegs ist, muß es keine besonders gefährliche Reise werden.

Weiter viel Spaß beim Vorbereiten und laß mal hören, wie es Dir dann unterwegs ergehen wird :-)


Kommentar von Basti1905 ,

Das hört sich ja schonmal gut an,dass mein Plan mit dem Sprachkurs aufgehen könnte. Ich denke ich werde dann auf jeden Fall mit Workaway starten, dann kann ich nicht nur mein Spanisch üben, sondern mich auch ein bisschen eingewöhnen und  wie du sagtest mit Einheimischen in  Kontakt kommen.

Was das Wildcampen und Trampen angeht, werde ich finanziell lieber Hostels und Busfahrten einplanen. Aufs campen muss ich dann wohl bis zu meiner nächsten Asienreise warten, auch wenn es schon immer ein Traum von mir war am Strand zu schlafen, aber evt. kann man das ja auch einmalig machen, falls ich einen geeigneten Platz finde. Wesentlich weniger Gepäck ist ja auch ein nicht zu verachtender Vorteil. Gerade wenn ich mich zurückerinnere wie schwer mein Gepäck in Neuseeland war und wie froh ich war als ich meine schweren Wanderschuhe und co. bei einer Freundin lagern konnte, die ich in Bangkok kennengelernt habe und so mit ca. 10 - 15 kg weiterreisen konnte. Das war ein sehr gutes Gewicht, was ich dann auch bei meiner Lateinamerikareise mit mir führen kann.

Ansonsten habe ich zu danken. Jetzt habe ich ein realistisches Bild was machbar ist und was auf gar keinen Fall geht. Abenteuer werde ich so oder so zu genüge erleben, aber in einem Stück würde ich schon gerne zurückkommen. 

Der Spaß beim Vorbereiten ist in jedem Fall schon garantiert, das einzige woran es hapert ist natürlich das liebe Geld. Deswegen kann es noch etwas dauern bis es so weit ist, schließlich möchte ich ja auch für zwei Jahre fortgehen. Ich werde mich auf jeden Fall unterwegs mal melden, wenn es soweit ist. 

Ganz liebe Grüße und nochmals Danke, dass du dir die Zeit fürs ausführliche Antworten genommen hast.

Kommentar von Basti1905 ,

Jetzt habe ich schon so abschließend geantwortet, jedoch eine Frage noch gar nicht gestellt. Wobei ich mir unsicher bin ob du mir die beantworten kannst. 

Und zwar bin ich in der Hotellerie tätig und würde gerne unterwegs arbeiten. Schließlich gibt es überall Restaurants und Hotels, jedoch bin ich mir sicher, dass der Lohn nicht mit europäischen Standards zu vergleichen ist. Jedoch könnte ich mir vorstellen, dass sich in Brasilien Uruguay oder Argentinien vielleicht doch die ein oder andere Möglichkeit ergibt sich ein paar Groschen dazuzuverdienen.

In welchen Ländern wäre dies empfehlenswert? Was Visum und Arbeitserlaubnis angeht würde ich mich selber noch informieren.

Kommentar von Roetli ,

Ich kann mir nicht vorstellen, daß Du irgendwo dort ein Arbeitsvisum bekommen würdest. Die Arbeitslosigkeit ist überall hoch und die (relativ niedrigen) Anforderungen an Hotel-Angestellte könnten auch Einheimische erfüllen.

Gerade in den von Dir genannten drei Ländern gibt es überdies viele Einheimische, die auch Deutsch sprechen - das könnte sonst ein 'Alleinstellungsmerkmal' sein, das evtl. ein Visum möglich machen könnte. Die einzige Möglichkeit wäre meines Wissens, wenn Du schon vorher eine Anstellung in einem großen Hotel dort angeboten bekommst und der Arbeitgeber dann das Visum beantragen würde. In ganz Latein-Amerika und USA ist Work&Travel leider nicht möglich, das einzige Land auf dem Kontinent wäre Kanada, wo das ganz offiziell geht.

Evtl. könntest Du in einzelnen Hostels für eine Weile 'schwarz' arbeiten, also neben Unterkunft noch ein kleines Entgelt bekommen. Das geht dann manchmal unter der Hand, aber eben meist nur für wenige Tage als Notfall-Lösung. Neben Workaways gäbe es aber auch noch Helpx, da gibt es in den lateinamerikanischen Ländern eine Reihe von Gastgebern https://www.helpx.net/findhosts.asp?network=9 und dort könntest Du tief in den Alltag vor Ort einsteigen: Hilfe in Haus und/oder Garten/Feld gegen Kost und Logis, eher kein Taschengeld, denn die Gastgeber sind in aller Regel alles andere als wohlhabend!

Kommentar von Basti1905 ,

Danke für die Info! Dann werde ich eher versuchen direkt zu Beginn eine Zeitlang in Kanada zu arbeiten. Trotzdem werde ich versuchen ein Arbeitsvisum für die USA zu ergattern. 

Bei helpx werde ich auf jeden Fall vorbeischauen. Ich habe bereits gewwooft, wenn dir das was sagt. Ein ganz ähnliches Konzept nur rein für Farmarbeit. Das hat mir echt Spaß gemacht und hat mir die Lebensweise der Kiwis näher gebracht. 

Noch einen schönen sonnigen Tag!

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