Urlaub in Griechenland - ist das momentan ein Problem für Euch?

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9 Antworten

Wir fahren seit Jahren jedes Jahr eine Woche auf die griechischen Inseln und sind nicht der Meinung, dass man das dieses Jahr nicht tun könnte.

Allerdings muss man Griechenland auch mögen, viele vermissen dort den Perfektionismus, den man zum Beispiel in Spanien und Ägypten in den großen Hotels findet. In Griechenland ticken die Uhren etwas anders, aber das schafft gerade die Athmosphäre der "Entschleunigung", die den Urlaub so erholsam werden lässt.

Wegen des Euros und der Verschuldung nicht hinzufahren finde ich Unsinn. Aber in ein Ballungsgebiet wie Athen oder Thessaloniki zu fahren, wo es verstärkt zu Unruhen kommt, würde ich abwägen.

Ein wenig habe ich das Gefühl, dass die Antworten etwas zu sehr unter Einfluss von Ouzo geschrieben wurde und weniger aus Kenntnis der Sachlage. Aber da es immer schwierig ist, einen objektiuven Standpunkt zu haben, wenn man sich mit einer der Parteien identifiziert, könnte man sich doch einfach mal das hier vorstellen:

Das fiktive Land Adopien ist ein beliebtes Reiseland. Die Gründe dafür u.a.: die Menschen dort relaxed, das Wetter angenehm, die Kultur vielfältig, die Strände wunderschön. Der Nachtei: das Wirtschaftssystem ist total marode. Die Gründe dafür u.a.: Korruption ist eine Art Gesellschaftsspiel, Meinungsverschiedenheiten werden gerne durch gewalttätige Demonstrationen ausgetragen, beim Thema Steuer denkt jeder an sein Auto, Subventionen fließen ohne Kontrolle.

Gaaanz plötzlich Adopien pleite. Keiner hatte etwas geahnt. Also schaut man sich um und sieht, dass andere Länder nicht pleite sind. Diese bieten Hilfe an, wollen aber, dass ein Teil der Missstände behoben wird. Das sehen (sehr) viele Einwohner von Adopien nicht ein. Bisher ging es doch auch! Die "Blöd"zeitungen des Landes (und davon gibt es eine Menge) schreiben, dass Adopien ein stolzes Land und man sich nichts vorschreiben lässt. Sie schreiben, dass sie selbst ja gar nicht Schuld sind an den eigenen Missständen. Und vor allem, dass sie Geld haben wollen, und zwar schnell und ohne Bedingungen. Und weil das nicht mal unter Freunden und mit 50 Kreuzern funktioniert, sind die Einwohner von Adopien beleidigt, verbrennen auf den Straßen Puppen von den Königen der Länder, von denen sie Geld haben wollen und sagen, dass sie deren Einwohner mit Schimpf und Schande aus dem Land jagen, wenn sich einer hier blicken lässt. Sie selbst schaffen schnell noch das eigene Geld außer Landes und interessieren sich einen Kehrricht für die Wahl einer neuen Regierung.

Und die Moral von der Geschicht? Es gibt keine. Wär auch zu einfach.

Ich habe auch schon von einigen Bekannten gehört, dass man -nach den Zahlungen aus Deutschland-, dieses Land nicht weiter unterstützen soll. Totaler Unsinn meiner Meinung nach! Einige sprechen schon davon, dass Griechenland aus der EU fliegen soll ... Dafür ist eine Union doch da. Natürlich ist einiges (vieles) schief gelaufen, einen Urlaub aus diesem Grund würde ich aber nicht absagen.

Also ich war vor 2 Wochen auf Zakynthos und es war wieder sehr schön, herzlich empfangen worden, nett und aufrichtig zu uns gewesen. Die Inseln kann man nach meinen Empfinden unbedenklich bereisen. Die Insulaner sind traurig über den plötzlichen Wegfall von besonders deutschen Touristen und wünschen sich, dass diese sich wieder für sie entscheiden bei ihrer Urlaubsplanung. Ich fliege in diesem jahr nochmals hin, tut es doch auch und macht euch selbst ein Bild, erst dann kann man urteilen, ich rede aber nur von den Inseln.

Ich habe da mal eine etwas polemischere Ansicht aus dem benachbarten EU-Ausland - ein Aspekt, der seltsamerweise in Deutschland gar nicht berücksichtigt wird. Es wird nämlich vor allem in der italienische Presse sehr schlecht über Deutschland berichtet (bezogen auf die Krise in Griechenland) und uns wird ganz explizit Schuld an der Situation zugesprochen. Die Argumentation ist folgende:

Deutschland ist ein Exportland. Es ist ein reiches Land und es ist Teil einer Union, nämlich der europäischen. Der meiste Export bleibt denn dann auch innerhalb dieser Union. Das Problem ist jedoch, dass Deutschland wenig importiert. Die anderen Mitgliedländer kaufen also unsere Produkte, aber wir kaufen nichts im Gegenzug. Gerade bei den Lebensmitteln hat das die Existenz vieler Mozzarella-Hersteller und Feta-Produzenten ruiniert: Statt den Feta aus Griechenland zu importieren, kaufen wir das Gummi von Aldi für 50 Cent. Statt eine Bandbreite von Schinken aus Parma und San Daniele anzubieten, kleben wir uns unseren Schinken zusammen. Nur um Beispiele aus der Lebensmittelindustrie anzuführen.

Dass das in einer Gemeinschaft auf die Dauer nicht funktionieren kann, also dass nicht ein Land immer nur exportiert ohne zu importieren, ist logisch. Und Deutschland stellt sich hin und sagt: "Macht es doch alle so wie wir. Dann geht es mit der Ökonomie auch aufwärts." Unfug, wie soll das gehen, wenn alle verkaufen und niemand kauft?

In unserer Presse wird gerne gesagt, dass Deutschland nun Griechenland mit X-Milliarden retten müssen. Aber vielleicht sind wir es auch, mit unserer Geiz-und Konsummentalität, die zu seiner Krise wesentlich beigetragen haben?

Puh... :-) Und jetzt wollt ihr Griechenland "bestrafen" indem ihr nicht mehr dorthin in den Urlaub fahrt? Frei nach dem Motto "Von mir kriegen die kein Geld"? Wie soll denn das so mit der europäischen Gemeinschaft funktionieren...?

germanos 21.05.2010, 21:37

In der Tat sehr polemisch und einseitig vereinfachend. Aber Griechenland ist weder mit gigantischen Feta- oder Weinimporten zu retten, wenn und falls dort Mißwirtschaft, Schmiergelder, Selbstbedienung sowie Volkssport Steuerhinterziehung zur Krise beigetragen haben.

Ich fühle mich nicht verpflichtet dorthin zu reisen. Allerdings stimme ich zu, dass dort NICHT hin zu reisen die Situation nur verschlechtern würde.

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Wir müssen nicht aus Solidarität, sondern allein schon aus egoistischen Motiven nach Griechenland fahren. Schließlich ist der Tourismus eine Haupteinnahmequelle des Landes und wenn wir diese versiegen lassen, würde dies folgerichtig zu Problemen bei der Rückzahlung der Kredite führen, was auch uns an den Rand der Pleite führen würde. Also müsste folgendes "erste Bürgerpflicht" sein: Ostern nach Spanien, im Sommer nach Griechenland und im Herbst nach Portugal. Italien bliebe dann ja nur noch der Weihnachtstermin, aber man kann ja tauschen!

Ich habe auch kein Problem damit. Ist ein schönes Land, hat schöne Inseln auf denen wir willkommen sind. Des Geldes wegen aber auch weil man gastfreundlich ist.

Die Zentren (mit den Unruhen) würde ich aber meiden.

Vielleicht werden wir es als Touristen auf eine ganz unerwartete Art merken. Zum Beispiel: Die Tavernen, die bislang ihr Auskommen hatten und auf die für mich lästigen Türsteher verzichtet haben, merken nun, dass es nicht mehr reicht mit den weniger werdenden Touristen. Und auf einmal buhlen viele Geschäfte unerwartet um unsere Gunst, wie wir es sonst nur in Orten mit ungesunder Tavernendichte (z.B. Chersonnisos-Kreta, Kos-Stadt, Pythagorion-Samos, ....) kannten.

Was bedeutet aufgrund der derzeitigen Situation? Der €uro kann ja nicht der Grund sein. Viele, die nicht mehr nach Griechenland fahren und storniert haben, fahren ja nicht wegen der Währung nicht mehr. Der Haupgrund sind die vergangenen Unruhen. Aufgrund der Tatsache, dass es die drei Toten im Bankgebäude in Athen gab, haben viele storniert. Das ist der eigentliche Grund, wie der griechische Tourismusverband herausgefunden hat. Doch Unruhen gibt es überall mal. Dann dürfte man fast nirgends mehr hinfahren. Also in meinen Augen totaler Blödsinn. Mann kann in Griechenland und den Inseln noch immer schön Urlaub machen.

Hallo Rodriguez,

ich glaube man tut den Griechen gar keinen Gefallen, wenn plötzlich - mit die Haupteinnahmequelle - der Tourismus wegfällt (zumal das auch mit der Verschuldung herzlich wenig zu tun hat, das ist meine Meinung!).

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