Unterscheidet sich Schlesien eigentlich in irgendeiner Weise vom Rest Polens? Wenn ja, in welcher?

2 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Also wenn ich Deine Frage richtig verstehe, dann geht es um das heutige Schlesien in Polen - der wesentliche Unterschied ist, dass es auch heute in Slaskie (polnisch Schlesien) bei machen Menschen das Bewußtsein gibt, eine eigenständige Minderheit zu sein - daraus resultiert auch, dass das schlesische Polnisch einer der wenigen polnischen Dialekte ist.

Die Antwort von Anhalt... ist äußerst verkürzt, das zeigt schon, das Oberschlesien eine klassisch multikuturelle Gegend war. Polnische und deutsche Bevölkerung und Böhmer... war gemischt und so kommt es, dass in Oberschlesien, aber auch in anderen Teilen, Polen teilweise deutsch sprechen, viele deutsche Oberschlesier, die heute in Deutschland leben aber auch Polnisch sprechen. Es gab eben keinen kompletten Bevölkerungsausstausch. Auch leben deutschstämmige Polen in Schlesien, die sich nach 1945 zu Polen bekannt haben. Ohnehin sind Denkmuster, die die Welt in ethnisch reine Nationalgebiete aufteilen kompletter Unsinn. In Polen sind die verschiedenen Einflüsse von Russland, Österreich/Ungarn, Deutschland, slawische Vorgeschichte noch heute spürbar - ebenso wie zum Beispiel wesentliche Teile des ehemaligen Preussens in deutschland slawisch geprägt waren. In Nordrhein-Westfalen trifft man sehr gut auf ein gemisch deutsch-polnischer Geschichte mit verschiedensten Facetten.

Hätte Deutschland nicht halb Europa ethnisch rein gemordet, wäre es für uns auch heute viel selbstverständlicher, dass Menschen und Länder sich nicht nach Nationalitäten teilen lassen.

das war wirklich sehr interessant!

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Klar hat sich das in den letzten sechzig Jahren durch Migration innerhalb Polens auch verwischt, aber Du musst im Hinterkopf haben, dass die Bevölkerung (fast) komplett ausgetauscht ist. Die einst ansässigen Schlesier wurden nach Westen vertrieben, das Land wurde duch Vertriebene aus dem einstigen Galizien /Ostpolen, das heute zur Ukraine gehört, wieder aufgefüllt.

Auffallend war in vielen Dörfern der konsequente Versuch alles an die deutsche Geschichte Erinnernde zu entfernen - Friedhöfe devastiert, oder völlig vernichtet, Fassaden weggemeisselt usw. (vom allgemeinen Erhaltungszustand mal gar nicht zu reden, aber das war in der Ex-DDR kaum besser). Ich hatte an einigen Stellen auch den Eindruck, dass einst urbares Land wieder verwildert war und sich zum Wald zurückentwickelt hatte, dies vor Allem im nördlichen, nicht bergigen Teil Niederschlesiens.

Wenn Du fährst, vor Allem auf Spurensuche, hol Dir vorher antiquarisch eine Strassenkarte aus den 30er-Jahren (oder früher). Wegen der deutschen Ortsnamen. Gerade auf dem Land sind kaum neue Strassen hinzugekommen, Orientierung ist kein Problem.

danke für den einblick!

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