Nach Myanmar fahren - moralisch vertretbar?

4 Antworten

Mit einer aktiven 'moralischen Unterstützung' wäre ich vorsichtig! Man kann natürlich bei einer Reise dorthin die Bevölkerung gut finanziell unterstützen - und das wäre auch ganz wichtig. Gerade wenn man individuell durchs Land fährt, gibt es zahlreiche Möglichkeiten, bei privaten Anbietern einzukehren oder zu übernachten, wo der Großteil der Einnahmen auch denen zugute kommt!

Die Menschen sind über die Maßen freundlich, auch ein Ergebnis davon, weil noch nicht sooo viele Touristen unterwegs sind! Die Kriminalitätsrate ist gering, das leider (oder etwa GottseiDank??) ein Ergebnis des harten Durchgreifens der Regierenden.

Ob so eine Reise unter diesen Gesichtspunkten moralisch vertretbar ist, kann ja jeder nur selbst entscheiden! Aber es gibt eine ganze Reihe anderer ähnlicher Staaten, in die jedes Jahr Millionen von Touristen unterwegs sind, allen voran z.B. China. .

Guten Gewissens kann man nirgends den Tourismus unterstützen. In den meisten Fällen ist der ein Segen und ein Schrecken gleichzeitig. Auch in Myanmar tragen Touristen wohl auch dazu bei, andere Eindrücke in das Land zu holen und damit langfristig die Macht des Regimes zu unterwandern. Ich würde hinfahren, so egoistisch wäre ich ...

Genau mit dieser Frage beschäftige ich mich auch gerade. Wie kann man, auch als Reiseveranstalter, eine Reise nach Myanmar vor sich selbst und vor der Bevölkerung Burmas moralisch vertreten? Eine Bekannte von mir in Burma, die jahrelang als Reiseleiterin unterwegs war und viel Erfahrung bei Reiseagenturen gesammelt hat, macht sich gerade in Burma selbstständig, indem Sie in Zusammenarbeit mit einer kleinen Agentur eigene Reisen anbietet. Ich habe mich entschlossen, diese Reisen demnächst in Deutschland anzubieten, u.a. weil ich ihr damit ermögliche ihr Leben selbst zu finanzieren. Sie ist als alleinerziehende Mutter für Ihr Kind und den Lebensunterhalt ihrer Mutter zuständig und sucht einen Weg emanzipiert und selbständig ihren und den Unterhalt ihrer Familie zu finanzieren. Ich erlebe eine erstaunliche Emanzipation und Aufbruchstimmung bei ihr, die ich gerne unterstützen will. Auch wenn es sich in dem korrupten System der Diktatur nicht umgehen lässt z.B. staatliche Hotels zu nutzen, so ist der Kontakt zu den einzelnen Menschen doch Gold wert. Meiner Meinung nach ist es extrem wichtig, die einzelnen Menschen zu unterstützen und damit das Volk. Ein emanzipiertes Volk lässt sich auf Dauer sicher nicht unterdrücken. Ausserdem haben Touristen auch eine Zeugen-Funktion. Man muss mit offenen Augen und Ohren reisen, muss sich bewusst darüber sein, dass man nur die politisch unbedenklichen Orte zu sehen bekommt und allgemein die politische wie auch die soziale Situation extrem geschönt wird. Man sollte sich vorab sehr intensiv mit der politischen Situation auseinandersetzen und sich nicht vom "Goldenen Burma" blenden lassen. Dann kann die Begegnung mit den Menschen in Burma für beide Seite bereichernd sein. Eine Bereicherung des Regimes lässt sich leider nie ganz ausschließen, aber wenn wir nicht dorthin reisen, werden wir noch weniger daran ändern.

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