Mal ganz prinzipiell: macht ihr eigentlich Urlaub in nicht-demokratisch geführten Ländern?

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8 Antworten

Hallo,

es ist schwierig, da eine klare Grenze zu ziehen. Ich war schon mehrmals in Ägypten, obwohl das weder eine Demokratie war noch ist. Auch in manchen südamerikanischen und weiteren afrikanischen Ländern habe ich etwas anderes vorgefunden, als die rechtsstaatlichen Standards, die ich gewohnt bin.

Absolute no-go Areas sind für mich Länder, die explizite Diktaturen darstellen, in Europa wäre das ganz klar Weißrussland. Grenzfälle wären Russland und China. Aber wo die Grenze ist? Nicht in bestimmte US-Bundesstaaten fahren, weil dort die Todesstrafe vollzogen wird? Schwierige Frage, die man nicht allgemein beantworten kann. Aserbaidschan würde ich persönlich zu den weniger problematischen Ländern zählen.

Neben dem AA kann man sich hier: http://www.fairunterwegs.org/laender/aserbaidschan/hintergrund/menschenrechte.html über Aserbaidschan und andere Länder informieren, auch unter entwicklungspolitischen Gesichtspunkten.

LG

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Toinette 06.03.2012, 17:21

Eine sehr gute Antwort - danke auch für den link! DH!

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Hi. Eine sehr gute Frage! Über so etwas habe ich mir eigentlich noch nie Gedanken gemacht. Ich kann gerade nicht einschlafen und versuche eine passende Antwort zu finden. Ich war schon in sehr vielen demokratisch geführten Ländern unterwegs, aber auch in vielen Ländern mit autoritären Staatsformen. In solchen Ländern muss man halt viel vorsichtiger sein, was man tut, über was man redet und wen man kritisiert. Ich halte mich immer daran und versuche während meiner Aufenthalte so wenig wie möglich über Politik und Menschenrechte zu diskutieren. Im geschlossenen Kreis geht das natürlich schon, aber in der Öffentlichkeit nicht. Ich war für ein Jahr im Sudan und habe vor meiner Abreise schon ein wenig gehadert. Dort sind ja in der Vergangenheit leider ziemlich schlimme Sachen passiert. Aber ich bin letztlich nicht in das Land gefahren, um die Politik der Regierung zu unterstützen, sondern um Land und Leute kennenzulernen. Ich habe es bis heute nicht bereut. Ich versuche immer zwischen dem Land, der Natur, den Menschen und der politischen Staatsform einen Grenze zu ziehen. Denn sonst würde ich, so sensibel wie ich eigentlich bin, nicht reisen können. Aber ich will reisen und interessiere mich leider sehr für den Nahen Osten und Afrika, wo es sehr viel nicht-demokratischen Staaten gibt. Um deine Frage zu beantworten: Ich mache Urlaub in nicht-demokratisch geführten Ländern. Das mit dem Gewissen ist so eine Sache. Wenn ich nach meinem Gewissen ginge, dann reiste ich nur durch Deutschland!

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Hatte ich kürzlich schon mal beantwortet und wiederhole es gerne: In vielen Ländern gibt es Missstände und ich beteilige mich auch an Aktionen von Amnesty. Auch in Aserbaidschan.

Das Land ist landschaftlich vor allem in der gebirgigen Kaukasusregion schön und du findest dort sogar "deutsche Wurzeln" bis hin zum Weinbau. Baku hat immer noch eine sehr schöne Altstadt, von der aber bereits leider viel zerstört ist. Du bekommst ohne Problem ein Visum und kannst im Mietwagen (z.B. AVIS) durch's Land fahren.

Es ist ein islamisches Land mit wenig Islamismus. Verschleierte Frauen triffst Du kaum. Die junge Generation wird da aus Anlass des Contest natürlich Party feiern. Allerdings ist AZ eben auch ein autoritärer Polizeistaat, der Meinungsfreiheit verfolgt. Ein früherer Praktikant von mir sass dort als Regimekritiker 1 Jahr im Knast, bis er endlich nach internationalem Protest auf freien Fuß kam. Reporter ohne Grenzen kümmert sich um inhaftierte Journalisten. Viele junge Menschen, vor allem die akademisch gebildete Schicht, hassen den Diktator.

Dennoch kann man natürlich hinfahren- man muss nur wissen wo man ist und was auch dort mit Menschen teilweise geschieht, die sich mit dem zutiefst korrupten (Erdöl-)System anlegen.

Evtl. bemüht sich das Regime im Vorfeld der internationalen Aufmerksamkeit sogar, die Aufmerksamkeit für gewisse Vorgänge im Land zu reduzieren. So wurde jetzt überraschend der 21-j. Student Jabbar Savalan freigelassen, der wegen Kritik am Regime auf Facebook im letzten Mai zu 2,5 Jahren verurteilt worden war.

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Knifflige Frage. Einerseits gehen die Vostellung von lupenreinen Demokraten durchaus auseinander, andererseits gibts es auch Regionen, die historisch und kulturell eher zu autokratischen Systemen neigen und gar nicht die Kultur der Demokratie kennen. Daher würde m.E. ein allgemeiner Mass-stab nicht passen.

Erfreulicherweise ist es so, dass viele politisch (oder religiös) intoleranten Länder dies auch im Fremdenverkehr sind und dem Reisenden erstaunliche Hürden bei Visabeschaffung, Einreise und Aufenthalt in den Weg stellen (Extrembeispiel dürfte wohl Nordkorea sein - kein Meter im Land ohne Geheimdienstspitzel, die man auch noch bezahlt, und obligatorische Verneigung vor übergrossen Gesslerhüten bzw. Bronzestatuen von untoten Diktatoren). Darauf habe ich eh keinen Bock, wenn die sich schon beim Visum äpplig haben, fällts eben aus. Gibt genug schöne Länder auf der Welt, in die man ohne Theater reisen kann.

Die Grenze ist im Einzelfall nicht leicht zu ziehen, zumal auf der anderen Seite die Menschen oft genug nicht mit dem Regime vermischt werden sollten und man im Gespräch viel lernen kann. Das hängt wiederum an Sprachkenntnissen, ist nicht immer so einfach wie weiland in der DDR. Und da bin ich auch hingefahren. Habe ich mir nun die Mas-stäbe versaut ?

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Nein, bisher noch nicht. Und ich denke, das wird auch so bleiben. Einerseits ist es einfach gruselig und andererseits herrscht in nicht-demokratisch geführten Ländern oft ein anderes Sicherheitsniveau. Und das ist dann auch ein ganz praktischer Grund für mich, solche Reisen besser zu unterlassen.

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Ja ... ich war schon in diversen Ländern, die sich zwar demokratisch nennen aber es keinesfalls sind. Ich habe das auch jedesmal als sehr lehrreich und informativ empfunden. In meiner Jugend habe ich zum Beispiel öfters in Ländern des Ostblocks Urlaub gemacht und habe dadurch die eigenen Freiheiten besser einschätzen gelernt. Vieles was einem hierzulande so selbstverständlich erscheint, wird durch einen solchen Urlaub plötzlich bedeutend.

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Es gibt sehr viele Länder, in denen es, zumindest nach unseren Maßstäben, keineswegs demokratisch zugeht. Da eine Grenze zu ziehen, ist extrem schwer. Dazu kommt, dass man dann ja auch noch, wenn man konsequent wäre, weitere Kriterien mit einbeziehen müsste (Todesstrafe, Umgang mit Terror-Organisationen, Umweltschutz, Minderheitenschutz im eigenen Land ...) Die Welt würde sehr, sehr klein werden. Und ich gebe zu, dass ich einige der (für) schönsten Reisen in Länder gemacht habe, die aber sowas von undemokratisch sind ... Und fellfreund stimme ich da absolut zu: Die Erfahrungen, die man da machen kann (so man sie machen will und mit offenen Augen/Ohren reist, sind sehr viel wert.

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Seehund 05.03.2012, 21:02

...leider macht man diese Erfahrungen als normaler Urlauber in vielen Ländern nicht- dafür wird dann doch zumeist gesorgt, ausser man arbeitet da länger, aber ich will nicht schon wieder damit anfangen....

LG

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gargamel111 08.03.2012, 10:35
@Seehund

Also, ich kriege auf meinen Reisen schon immer einiges mit. Klar, je länger man vor Ort ist, desto mehr. Aber vielleicht bin ich auch kein "normaler Urlauber".

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Hallo toinette,

eine gute Frage!

Nein, ich nehme darauf keine Rücksicht! Weil wenn ich mir darüber Gedanken machen würde, könnte ich weitaus weniger reisen, als ich es jetzt tue!

Neben Ländern, die diktatorisch geführt werden, müßten dann Länder in den Kinderprostitution, Kinderarbeit, Umweltmißachtung usw. usw. folgen.

Und sorry, dafür bin ich zu egoistisch!

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Seehund 05.03.2012, 21:24

Anscheinend ja!

Machst Du dir keine Gedanken zu dem Thema?

Völlig egal?

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moglisreisen 06.03.2012, 08:52
@Seehund

Das war ein bißchen unglücklich ausgedrückt: Natürlich mache ich mir Gedanken, aber ich handel danach nicht konsequent! Und ich glaube, Du auch nicht oder?

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Seehund 07.03.2012, 21:01
@moglisreisen

Welche Gedanken machst Du dir denn? Erschließt sich mir nicht!

LG

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