Katastrophentourismus

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12 Antworten

Ein klares 'Jein' von mir!

Wenn ich auch nie auf die Idee kommen würde einen Abstecher nach Lockerbie zu machen oder einen Strand anschauen würde wo afrikanische Flüchtlinge angekommen waren lockt mich schon immer mal eine Tour nach Pompeji wo immerhin eine ganze Stadt untergegangen war und 10000 Einwohner gestorben sind (ich habe aber keine Ahnung ob ein Besuch sich dort lohnt und man evtl. von Besuchermassen nichts in Ruhe anschauen kann) .

Manchmal ist es auch gar nicht vermeidbar, wenn man paar Tage in New York ist kommt man unwillkürlich am Ground Zero vorbei, hier wegzuschauen wäre auch albern. Wir waren mal in Saipan mit dem Auto unterwegs und sahen eine schöne Landschaft die überraschend viele Besucher hatte. Am Parkplatz sahen wir den Grund der vielen Busse, Touristen und Veteranen sahen sich den Ort an wo eine tragische Schlacht im zweiten Weltkrieg stattfand mit 44.000 Toten, darunter auch viele Einheimische die sich aus Angst vor den Besetzern von der Schlucht stürzten die ich gerade idyllisch fand und fotografierte. Meine Gefühle danach waren sehr gemischt und ich hatte ein ganz anderes Bild von dem Ort wie vorher. Mit dem Wissen wäre ich wahrscheinlich nicht hingefahren, aber so hatte ich viel gelernt (auch wenn das natürlich jetzt eher 'Kriegs-' anstatt 'Katastrophen-Tourismus' ist, aber jeder Krieg ist für mich auch eine). Auf Bilder verzichte ich dieses Mal auf Grund des bedrückten Themas, wen es interessiert hier etwas mehr über die Schlacht:

http://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_um_Saipan

Eigentlich mache ich einen großen Bogen um so was (auf die Idee nach Tschernobyl zu reisen würde ich nie kommen), aber Guam hatte ich nur besucht weil dort mal ein Flugzeug abgestürzt ist und die Landschaft die in den Nachrichten gezeigt wurde mir gefallen hatte (auch wenn das sich jetzt etwas bizarr anhört, die Absturzstelle haben wir natürlich nicht besucht) und auf die Insel Giglio, von der ich vor dem Costa-Debakel noch nie gehört hatte würde ich jetzt auch mal fahren wenn dort wieder mal Ruhe eingekehrt ist.

So eine Reise kann bilden und den Horizont erweitern, kann aber auch abstoßend sein je nach dem Hintergrund des Besuches, eine klare Ja-Nein Stellung habe ich nicht.

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heima 07.12.2013, 11:10

Ja, ich komme doch zum nachdenken über dieses Thema.

Pompeji haben wir staunend und erfürchtig besichtigt; allerdings nicht wegen "Katastrophentourismus", sonden aus Neugier um zu lernen, zu begreifen, wie das war. Selbstverständlich haben wir vor der Besichtigung die einschlägige Literatur gelesen.

Während der Besichtigung erinnerten wir uns mit Gänsehaut an die dort gestorbenen Menschen. LG

Also ist die Neugier vom Katastrophentourismus garnicht soweit weg

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Roetli 07.12.2013, 17:11
@heima

@zinni: Pompeij ist in der Tat überlaufen! Entweder im zeitigen Frühjahr oder späten Herbst hinfahren (auch wegen der Temperaturen im Sommer) oder auch das nicht so weit entfernte Herculaneum/Eracleo besichtigen - fand ich noch beeindruckender (und morgens gleich nach Öffnung auch nicht überlaufen) mit den zahlreichen sehr gut erhaltenen (nicht erneuerten) Häusern, Bädern, Fresken etc., einfach ein Traum! Allerdings lange nicht so ausgedehnt wie Pompeij.

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Zinni 07.12.2013, 17:25
@Roetli

Danke für die Info und Hinweise Roetli, als nix in der Saison und wenn dann früh dort sein. Wenn ich schon mal dort bin werde ich dann beides besuchen.

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dospassos 07.12.2013, 18:10
@Zinni

Für alle, die wirklich Interessiert sind, diese Region zu besuchen: Bei der Gelegenheit empfiehlt sich auch ein Besuch von Paestum.

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dospassos 07.12.2013, 18:14
@heima

Genau das ist das Thema meiner Frage. Und so ist z.B. ein Ort wie Lockerbie zu sehen, bei dem es für Historiker um ein bestimmtes Ereignis aus der jüngsten Geschichte geht.

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dospassos 08.12.2013, 06:46

Herzlichen Dank für die zahlreichen Antworten. Es freut mich, dass durch die Beiträge unterschiedliche Ansichten, persönliche Erfahrungen und weitere Anregungen zusammenkamen.

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Die Frage mischt, so verstehe ich sie jedenfalls, Dinge, die imho nicht zusammengehören: Nämlich aktuelle Katastrophen und vergangene/historische Katastrophen. Vielleicht ist das zu differenzieren, ob man noch direkt Betroffene antrifft, deren Leben durch das Ereignis durcheinandergewürfelt wurde und noch in Unordnung ist (Notstand, temporäre Unterkünfte pp) oder ob das Ereignis eher abgehakt ist. Zu noch offenen Wunden zu reisen zum Gaffen statt zu Helfen, das halte ich für zutiefst unmoralisch und verwerflich. Aber, bei weiter zurückliegenden Ereignissen ? Gewissermassen, Ellis Island ja, Lampedusa nein ?

Niemand käme auf die Idee um Santorin einen Bogen zu machen, weil da mal ein Vulkan explodierte, der eine ganze Kultur in den Abgrund riss. Das Beispiel Pompeji wurde bereits diskutiert (da liegt die akute Katastrophe wohl im touristischen Bereich). Ob Waterloo, Völkerschlachtdenkmal, Kalkriese, Berliner Mauer, das sind etablierte touristische Ziele (ob sich Lockerbie nu lohnt, weiss ich nicht, steht wohl ein Denkmal da).

Die Grenze zu finden, ist auch mit Fingerspitzengefühl verbunden. Ich entsinne mich an Menschen in Bosnien, die sich freuten, dass wieder Besucher zu ihnen kamen. Aus anderen Regionen lese oder höre ich Ähnliches, ob Ruanda oder New Orleans. Auf der anderen Seite: Auschwitztourismus brummt , googelt man nach Auschwitz-Touren, gibt es reichlich Auswahl weit jenseits aller Pietät, wahlweise mit Lunchpaket, extra-Freizeit in Birkenau, gar "....Preis enthält Minibustransport, die Besichtigung des Lagers mit dem Führer, ..." (GuggstDuHier: http://www.staypoland.com/krakautouren/auschwitz_birkenau.htm) .

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dospassos 07.12.2013, 22:39

Ja, Daumenexpressler, ich habe mich in der Tat sehr schwer dabei getan, die Frage zu formulieren und war auch selbst mit dem Ergebnis nicht wirklich glücklich. Umso mehr freue ich mich über deine ausführliche Antwort, die ganz wesentliche Bereiche behandelt.

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Ja, klar, aber das ist schrecklich! Das sind ja Zustände wie im Mittelalter! Das muss man nicht auch noch anheizen. Da wäre eine vernünftige, angemessene Hilfe viel sinnvoller, aber die bringt eben kaum Quote. Ich finde schon die Fernsehbilder schrecklich, da werde ich den Teufel tun und den Katastrophen auch noch hinterher reisen und dann betroffen im Weg herumstehen. Oder das überlebenswichtige Trinkwasser vor Ort verbrauchen.

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Hallo,

ich habe keinerlei Bezug zu Katastrophentourismus ... und würde nie auf die Idee kommen, gezielt einen derartigen "Schauplatz" zu besichtigen.

Ansonsten sehe ich es ähnlich wie Zinni.

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Es gibt so viele Ziele, da kann und soll man ruhig darauf achten, ob der Tourismus einigermaßen passend ist, nicht nur bei Katastrophen.

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ManiH 15.12.2013, 08:04

DH :-o)

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Ich finde Katastrophentourismus furchtbar. Ich habe es selber einmal erlebt das wir in Spanien einen Waldbrand hatten und unsere Häuser vom Feuer bedroht wurden. Alle Anwohner probierten gerade mit Zweigen das Feuer auszuschlagen als ein Touristenbus hielt und die Leute ausstiegen und Fotos machten. Ich werde nicht schnell wütend, aber diese gaffende und fotografierende Menge raubte mir den letzten Nerv. Leider wurde ich ein bisschen ausfallend. Die Menschen sollten mal in der gleichen Situation sein und am eigenen Leib zu fühlen wie das ist. Ich habe z.B. die Tunnel der Vietcong in Vietnam besucht und die Brücke am River Kwai in Thailand. Kriegsgebiete in denen viele Menschen starben. Also im weiteren Sinn auch eine Katastrophe, aber auch Geschichte. Manchmal sorgt ein Besuch an gewisse Orte auch für ein besseres Verständnis und hat nichts mit "Sensation" zu tun. LG

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Du meinst schon aktuelle Katastrophen, habe ich das richtig verstanden? Vielleicht sollte man mal über Strafen nachdenken - Bußgeld (noch besser Fahrverbot) für starrende Touristen.......

leider traurige Realtität - (Tourismus, Katastrophe)
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dospassos 07.12.2013, 12:14

Nein, ich meine nicht nur aktuelle Katastrophen.

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Toinette 07.12.2013, 13:42
@dospassos

Eine Naturkastastrophe die schon Jahrzehnte zurück liegt....... das würde ich aber nicht als Katastrophentourismus bezeichnen, das ist eher Historie, oder?

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Zinni 07.12.2013, 15:07
@Toinette

Ich glaube dass niemand außer paar Verrückten während einer aktuellen Katastrophe dabei sein will, alles danach ist Historie, ob es Tage oder Jahrhunderte entfernt sind.

In der Frage war auch Lockerbie genannt, das war 1988 und Jahrzehnte entfernt.

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dospassos 07.12.2013, 18:07
@Zinni

Genau so ist es, Zinni, und vielen Dank für diese Klarstellung. Es zeigt sich einmal mehr: Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.

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Falls ich da zufällig ohnehin vorbeikäme, dann würde ich sicher nicht wegsehen, aber absichtlich dorthin fahren?

Nie im Leben!

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Ich habe schon viel er(über)lebt und mache einen grossen Bogen um den Katastrophentourismus.

Wer das Leid anderer Menschen aufgrund von Katastropen zu besichtigen sucht ist in meinen Augen verrückt. LG

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Man braucht dazu nicht viel Worte.

Eine alte Weisheit sagt : Wer sich in Gefahr begibt, sollte davon ausgehen, das er sogar darin umkommen könnte.

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Hallo,

Katastrophentourismus- kein Problem, die Stürme und Sturmfluten kommen aber immer zu mir ;-)

LG

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dospassos 09.12.2013, 13:08

Schade, dass ich die hilfreichste Antwort schon ausgezeichnet habe.

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Wenn es sich um aktuelle Katastrophen handelt, ist es verwerflich!

Ich persönlich interesssiere mich durchaus für einen Besuch in Tschernobyl. Es verstehen die wenigsten, aber für mich ist das eine Zeitreise der besonderen Art, da es nicht nur um die Außenpolitik der damaligen UDSSR ging, sondern um die allgemeine Frage der Kernspaltung ging. Ich bin froh- dass trotz der Merkel- dass sich Deutschland von der Atomindustrie entfernt!

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