Ist wildes Zelten in Deutschland erlaubt?

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5 Antworten

Hey albrecht,

in Deutschland ist es gesetzlich verboten. In Spanien auch. In Portugal und Frankreich dagegen wird es toleriert. In der Schweiz kommt es ganz auf den Kanton an. Also gar nicht so einheitlich und einfach das Ganze. 

Oft ist auch die Frage, wie man das auslegt und was damit genau gemeint ist. Bzw. ob jemand, der alleine oder zu zweit ist, ruhig ist, keinen Müll hinterlässt, erst bei Sonennuntergang sein Zelt aufbaut und vor Sonnenaufgang wieder abbaut, - ist so jemand vergleichbar mit einer Horde Leute, die laut sind, Müll machen und die Tiere stören? 

Sicher nicht, und deshalb zelten Fernwanderer oder Pilger auch immer wieder mal und kommen damit gut durch. Im Zweifel fragen ist auch eine Erfahrung. 

Zu dem Thema habe ich einen ausführlichen Text geschrieben, speziell auf das Thema Zelten auf dem Jakobsweg bezogen: http://jakobsweg-kuestenweg.com/jakobsweg-zelten/ 

Vielleicht hilft das ja dem oder anderen hier.

Lg, Christoph

In Deutschland ist fast alles Land in Privatbesitz. Da muss man theoretisch den Besitzer fragen. Zu kommunalen Flächen gibt es immer eine Satzung, die das wilde Campen verbietet.

Ich würde daher kein Zelt aufbauen. Allerdings bin ich noch nie beim Übernachten ohne Zelt verscheucht worden. Bei Trockenheit findet man immer irgendein Eckchen, in dem es niemand merkt und auch keinen interessiert, dass man da pennt. Bei Regen muss man sich einen geeigneten Unterstand suchen: Brücke, Schutzhütte, Bauwagen, Bushaltestelle... Für den Notfall kann man eine Plane mitnehmen (vom Baumarkt), die man an einer Seite hochbindet, dann wird man auch nicht nass.

Merke: In Deutschland regnet es weniger, als man denkt.

Wenn ihr wandert, werdet ihr wohl nur ein kleines Zelt dabei haben, das kann man im Dickicht leicht übersehen... Allerdings ist Deutschland so dicht bevölkert, dass überall gerne mal der Waldbesitzer auftaucht.

wild zelten ist in Deutschland verboten.

Aber aus eigener Erfahrung: wenn wir ne Radwanderung machen und es ist im Umkreis von ner Stunde Fahrzeit kein Campingplatz in der Nähe zelten wir auch wild.Zelt erst bei Dämmerung aufbauen,keine Felder oder hohen Wiesen zerstören,kein Müll hinterlassen,kein Lagerfeuer....

An vielen Wander und Radwegen ,zumindest hier im Altmühltal und im Donautal,gibt es Lagerfeuerstellen,die können gut genutzt werden.Ausserdem gibt es manchmal auch für Kanufahrer Slipstellen mit der Möglichkeit für eine Nacht zu bleiben.

Oft haben wir einfach bei Wirtleuten nachgefragt ob wir nach dem Abendessen auf der Wiese hinterm Wirthaus bleiben dürfen,auch beim Bauern nachfragen kostet nix und wird meist mit ja beantwortet.

albrecht 06.10.2010, 19:32

Vielen Dank für die kompetente Antwort, wir werden uns daran orientieren.

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Hallo Albrecht,

das kann man pauschal nicht beantworten, das hängt vom Bundesland ab. Hier in NRW ist es z.B. verboten.

In anderen Ländern wie Schleswig-Holstein, Meck-Pomm und Brandenburg (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) gibt es jedoch Formen des Jedermannrechts.

Dort können "nichtmotorisierte Reisende" (Fahrradfahrer, Wanderer, Kanuten etc.) eine einzige Nacht ausserhalb von Campingplätzen übernachten, sofern der gewählte Ort ausserhalb eines Naturschutzgebietes, Nationalparks oder Biosphärenreservates liegt.

LG

AnhaltER1960 15.10.2010, 23:26

Es scheint noch etwas komplizierter zu sein. Jedermannsrecht zum Zelten, wie z.B. in Skandinavien, hat man hier generell nicht. Es geht gar nichts ohne das Einverständnis des Grundbesitzers.

Du schreibst z.B., in Schleswig-Holstein könnten nichtmotorisierte Reisende für eine Nacht wild zelten. Bei genauerem Hinschauen stellt es sich wie folgt dar: * Am Strand ist Zelten verboten; * An/in Küstendünen ist Zelten verboten; * im Wald ist es verboten; * sonst ist es, wie Du schreibst, für eine Nacht ausserhalb von Schutzgebieten gestattet, wenn "privatrechtlich dazu befugt".

Für andere Bundesländer habe ich nicht mehr geschaut, sonst wird das ein juristisches Proseminar.

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Seehund 16.10.2010, 14:34
@AnhaltER1960

Für ein juristischen Proseminar müsste man tatsächlich mehr Zeit investieren, aber wir können auch hier differenzieren. Man kann als Kanut durchaus am Gewässerrand zelten, unter den von mir genannten Einschränkungen, gleiches gilt auch für staatliche Waldränder. Man kann sicher sagen, dass es in 80% der Fälle nicht möglich ist, aber es bleibt genug übrig. Ich hatte bei Kontrollen nie Probleme, wurde nur aufgefordert, den Ort am nächsten Vormittag zu räumen.

Die Besitzverhältnisse klären sich während der Reiseplanung, Schutzgebiete sollte man unabhängig vom Übernachten im Blick haben.

Vielleicht recherchierst Du doch noch ein wenig weiter, es geht hier im Forum nicht so sehr um Schnellgoogeln und Diagonallesen, sondern um persönliche Erfahrung.

Schnellschüsse in Form spontaner Kommentare sind in der Tat nicht zielführend.

LG

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