Hat schon mal jemand eine mehrtägige Felukenfahrt auf dem Nil (Ägypten) gemacht?

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Hallo Toska, ich habe als Reiseleiterin schon mehrere Felukkenfahrten begleitet und es ist immer wieder ein tolles Erlebnis mit diesen traditionellen Nilseglern zu fahren. Man fühlt sich frei, ungebunden und wie ein echter Abenteurer . Man kommt viel näher ans Ufer und an das Geschehen auf und am Nil heran als das bei den Kreuzfahrtschiffen möglich wäre. Und man bewegt sich vorwärts ohne die Umwelt zu belasten. Der Wind kommt meist aus nördlicher Richtung, deshalb kreuzen die Felukken auf dem Nil. D.h. man fährt im Prinzip immer von einer Uferseite zur anderen. Bei Flaute hilft die Strömung oder die Felukkenkapitäne greifen zum Ruder und man kann dann natürlich auch gerne mithelfen. Eigentlich ist der Ablauf überall gleich. Man fährt meist von Assuan bis Kom Ombo. Oder von Esna bis nach Luxor. Die Schleuse in Esna wird von den Felukken meist nicht passiert. Ich kenne jedenfalls keinen Anbieter der das machen würde. Man übernachtet einmal auf der Felukke. Das Gepäck wird im Rumpf verstaut. Meist geht man morgens an Bord und erhält ein Mittag- und Abendessen, das von der Crew auf dem Gaskocher zubereitet wird. Einfach aber schmackhaft. Getränke gibt es nach vorheriger Absprache. Der Rumpf des Bootes ist mit Holzplanken abgedeckt auf denen bequeme dicke Matrazen liegen. Man liegt den ganzen Tag auf diesem Lager und kann das Leben am Nil genüßlich wie ein Pharao an sich vorüber ziehen lassen. Zum Toilettenstopp wird dann auf Wunsch und nach Bedarf am Ufer angehalten, wo man sich ein stilles Plätzchen in der Natur sucht. Klappt irgendwie immer. Abends wird meist an unbewohnten Nilinseln halt gemacht, meist gibt es ein Lagerfeuer, die Crew singt und vielleicht tanzt auch jemand. Wenn man müde ist, kriecht man in seinen Schlafsack an Deck und lässt sich durch das Schaukeln des Schiffs in den Schlaf wiegen. Morgens geht es dann noch für wenige STd. weiter bis ans Ziel.

Super Antwort, so habe wir es auch überlebt. Allerdings ist das sanitäre Problem nur für eingeübte, verständnisvolle, tolerante und uralte Zeltcamper geeignet. Auf jeden Fall ist es für Naturmädchen und Naturburschen einfach toll. Nur hier lernt man (einigermassen) das Leben der (einfachen) Ägypter kennen. Im 5*-Hotel ist es auch schön, aber schöner ist diese Nilfahrt. Keinen Koffer mitnehmen, nur 1 Tasche, selten duschen, macht nichts, hier stinkt jeder auf seine Weise. MfG

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Hallo, danke für die super Antwort. Das hört sich sehr interessant an.

Ich muss jetzt schon nochmal dumm fragen, wie ist das dann eigentlich mit duschen und umziehen?

Ist man da Abends dann auch teilweise irgendwo in der Stadt, z.B. in Luxor oder Asswan? Ich frage nur, damit ich eine Vorstellung habe, was wir zum Anziehen brauchen.

Wie lange dauert so eine Felukenfahrt normalerweise?

Gibt es eigentlich auch die Möglichkeit im Nil zu baden?

Viele Grüße Sandra

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@Toska1981

Man startet morgens in Assuan, ist tagsüber auf dem Boot, mit Toilettenstopps (hinter dem Gebüsch o.ä,). Abends legt man an einer verlassenen Nilinsel an und ist dort ungestört. Also keine Stadt. Umziehen interessiert dort niemanden, ist auch nicht nötig. Wenn Du einen Schlafanzug o.ä. anziehen möchtest, machst Du das einfach im Dunkeln und wenn Du damit ein Problem hast, das andere dich dabei sehen könnten, dann hat die Crew garantiert eine Decke parat, die an Deck aufgespannt werden kann, damit man sich dahinter umziehen kann. Sprechenden Menschen wird immer geholfen und jeder wird bemüht sein, es Dir so angenehm wie möglich zu machen. Zum Anziehen brauchst Du über Tag am besten lockere Baumwollkleidung. Für Abends einen Pullover oder im Winter auch Socken und Windjacke. Schlafanzug oder im Winter Jogginganzug. Schlafsack. Morgentoilette geht mit Wasserflasche und Zahnbürste in der freien Natur. Morgens fährt man nur noch kurze Zeit. Ca. 1- 3 Stunden je nachdem wie weit ihr am Vortag gekommen seid. Dann kann man den Tempel von Kom Ombo besichtigen und von dort aus geht es per PKW oder Bustransfer noch ein kleines Stück bis Luxor. Dort kann man dann wieder ein Hotel mit allem Komfort beziehen und den Staub abwaschen. Ein echtes Abenteuer eben. Von einem Bad im Nil ist wegen der Bilharziosegefahr abzuraten.

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Wir haben diese Fahrt auch durchgestanden: Das sanitäre Problem ist für eingeübte, verständnisvolle, tolerante und uralte Zeltcamper (locker) verkraftbar und für Naturmädchen und Naturburschen einfach toll. Nur so lernt man (einigermassen) das Leben der (einfachen) Ägypter kennen. Im 5*-Hotel ist es auch schön, aber besser ist wirklich für hartgesottene (erfahrene) Tramper diese Nilfahrt. Keinen Koffer mitnehmen, nur 1 Tasche, selten duschen, macht nichts, hier stinkt jeder auf seine Weise. Nur Mut! MfG

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