Äthiopien - ein sicheres Reiseland?

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Hallo, ich antworte als Gast, habe über 6 Jahre in Äthiopien gearbeitet und kenne nahezu das gesamte Land und spreche sowohl Amharisch als auch Afaan Oromoo. Ich arbeite seit Ende der 70er Jahre in west-, Ost- und Zentralafrika. Ich kann dazu sagen, dass Äthiopien mit gewaltigem Abstand das angenehmste Reiseland ist, dass ich in Afrika kenne. Sicherheit ist nirgendwo ein ernsthaftes Problem. Ich fühle mich in Äthiopien nicht weniger sicher als in Deutschland und reise dort ohne irgendwelche Schutzmaßnahmen durch das ganze Land!!! Allerdings sollte man nicht nachts im Land herumreisen, da es nachts doch vereinzelt Überfälle auf Fahrzeuge gibt, sowohl im gebiet zwischen Awash und Asebe Teferi als auch in Wollegga. Der Norden ist touristisch mit seinen Felsenkirchen und dem atemberaubenden Hochgebirge der Simien Mountains einzigartig. Der osten ist bis Jijiga der letzten Stadt vor der Grenze zu Somalia auch nicht sonderlich gefährlich und der Süden auch nicht. Allerdings sollte man im Süden die Konfliktgebiete an der Grenze zu Kenia im Boranagebiet nur mit kundiger Begleitung Bereisen, ebenso den Ogaden bzw. diese Gebiete lieber meiden. Die Danakil Wüste mit ihren einzigartigen Farben kann man ohnehin nur mit kostenlosem Militärschutz bereisen. sie ist aber eine Reise Wert. Angenehm sind auch die Hotel und Restaurantpreise, die Hotelpreise vor allem außerhalb von Addis Abeba. In Addis Abeba sind die Hotelpreise allerdings seit 2007 stark angestiegen. Fliegen in Äthiopien ist immer noch sehr preiswert und in viele Städte mehrmals pro Woche möglich. Reisewarnungen und andere Sicherheitswarnungen für Äthiopien hat es auch während meiner beruflichen Tätigkeit immer wieder gegeben. Aber sie sind bisher immer nur vorsorglich abgegeben worden. Irgend eine tatsächlich existierende Bedrohung für Reisende oder auch für in Äthiopien wohnende Ausländer habe ich nie festgestellt. Allerdings gibt es auch ein paar Gebiete, in denen man auf Grund der Rivalitäten zwischen einzelnen Volksgruppen vorsichtig sein sollte. So ist es in einigen Afargebieten nicht ungefährlich Afaan Oromoo zu sprechen. Auch sollte man in abgelegenen Gebieten Äthiopiens nicht erstaunt sein, dass, wenn man eine Kneipe betritt, keinen Gast ohne Kalaschnikov oder einer anderen Feuerwaffe vorfindet. Auch Viehhirten sind in abgelegenen Gebieten oft bewaffnet. Die meisten Waffen sind ohne Munition oder sonstwie nicht funktionsbereit. Aber welche es doch ist, weiß man nie. Dennoch ist man in diesen Gegenden zumeist sehr willkommen.

Ich halte nicht viel von den Empfehlungen des AA, weil sie zu allgemein, zu populistisch und zu unaktuell ist. Das ist möglicherweise auch gar nicht zu bewerkstelligen. In Äthiopien wird derzeit praktisch vor allen Grenzgebieten im Norden gewarnt. Das ist allerdings nicht wirklich "Touristengebiet". Die klassische Route im Norden (Gondar, Lalibela, Auxum) bringt idR keine Probleme mit der Sicherheit, was Anschläge oder ähnliches angeht. Nicht mehr auf jeden Fall, als eine andere Reise. Der Süden ist lokal immer ein wenig problematisch, aber hier wissen die Reiseleiter Bescheid und ändern die Route kurzfristig. Zudem sind das Probleme, die die Einheimischen unter sich haben. Fremde werden hier nicht involviert. Das größte Problem werden eher bettelnde Kinder sein, sie in den Touristengebieten auch schon einmal sehr lästig sein können. Und, bei nicht organisierten Touren, der Hang der Hotels/Fluggesellschaften etc. Gruppen zu bevorzugen - ohne Rücksicht. Da bleibt der Einzelreisende trotz Buchung schon mal vor der Türe.

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