Ab wieviel Höhenmeter in den Anden muss sich der Körper an den wenigen Sauerstoff gewöhnen?

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1 Antwort

Hallo TheQuietMan,

also in den Anden ist das so wie überall sonst.

Ohne, dass Du es großartig spüren würdest, sind körperliche Reaktionen bereits ab 1500m Höhe spürbar. Wann echte Höhenbeschwerden einsetzen, ist individuell sehr unterschiedlich.

Manche Menschen zeigen schon auf ca. 2400m die typischen Beschwerden wie Kopfschmerz und Kurzatmigkeit, bei 2600m (z.B. Bogotá) sind es schon einige, spätestens auf 2800m Höhe (z.B. Quito) merken fast alle Menschen die Höhe, auch wenn es sich nur in ein bisschen Kurzatmigkeit äussert.

Tendenziell kann man sagen, dass (Klein)Kinder es schlechter vertragen und es sich individuell gesehen mit steigendem Alter bessert. Das hat mit altersspezifischen Füllungsgrad des Gehirns im Schädel zu tun und bezieht sich folgerichtig auf den Kopfschmerz, weil das Gehirn in der Höhe anschwillt. Hier habe ich mal einen etwas bösen Kommentar geschrieben: http://www.reisefrage.net/frage/mit-kleinkind-nach-sued-amerika

Ich selbst habe über 40 Höhenanpassungen über 4000m mitgemacht und musste feststellen, dass es sozusagen keine "Anpassungsgewöhnung" gibt. Sagt die Literatur übrigens auch. Das heisst, dass die fünfte Höhenanpassung durchaus unangenehmer sein kann, als die erste, die man je gemacht hat. Immer ein neues Spiel.

Richtige Höhenbeschwerden haben dann spätestens auf 4000m (z.B. Flughafen La Paz) dann so ziemlich alle. Die fallen aber sehr unterschiedlich aus, das hängt auch sehr vom eigenen Verhalten ab.

Das hat damit zu tun, dass es bei der Höhenanpassung zwei Phasen gibt: Adaptation und Akklimatisation. Adaptation heisst, dass der Körper sofort versucht, auf die veränderte Situation zu reagieren. Das merkst Du vor allem an der gesteigerten Atmungsfrequenz mit einhergehender Leistungsschwäche.

Im Schlaf kommt es zu verflachenden Atmungszyklen mit vorübergehendem Atemstillstand. Also erst tief, dann flacher, dann gar nicht und dann wieder tief. Ist aber nicht so dramatisch wie es klingt, ein prinzipiell gesunder Körper kann das ab.

Die Akklimatisation wird dann durch die Ausschüttung des berühmten, körpereigenen Hormons Erythropoetin (EPO) ausgelöst, was zur vermehrten Produktion von roten Blutkörperchen führt. Erste Erfolge merkt man nach einigen Tagen, völlig akklimatisiert ist man nach so ca. drei Wochen.

Zum Verhalten: Man kann das ganze mildern, indem man z.B. an einem niedriger gelegenen Flughafen aussteigt und dann in Etappen in das Hochland reist. Solche Fughäfen wären Lima (Peru), Guayaquil (Ecuador), Santa Cruz (Bolivien) und Barranquilla (Kolumbien).

Manche Medikammente verlieren in der Höhe an Wirkung, besonders die Pille möchte ich nennen.

Man sollte sich in den ersten Tagen ruhig halten, Alkohol und Zigaretten meiden und, wo es legal ist, den durchaus hilfreichen Kokatee trinken. Kaffe wirkt sich individuell unterschiedlich aus, eher vorsichtig sein. Mineralwasser in rauen Mengen, auch Mineraltabletten können sinnvoll sein.

Bedenke, dass Du deine Flugreise unter Bedingungen zurückgelegt hast, die einer Höhe von etwa 3000m Höhe entsprechen. Davon merkt man wenig, weil man nicht so durch die Gegend rennt.

Gefahr:

Bisher habe ich nur von Höhenbeschwerden wie Kopfschmerzen, Kurzatmigkeit, Mattigkeit etc. gesprochen.

Es gibt aber auch die potenziell tödliche Höhenkrankheit!

Für deren Auftreten ist weit weniger die absolute Höhe, als denn der pro Zeit zurückgelegte Höhenunterschied maßgebend!!!

Beispiel: Wir haben in den 90ern mal in Kolumbien zwei tote Bergsteiger von der maximal "nur" 5775m hohen Sierra Nevada de Santa Marta in Kolumbien geholt. Die waren sehr erfahren und im Himalaya schon deutlich über 2000m höher unterwegs gewesen, ohne das etwas geschehen wäre. Wie konnte das passieren?

Ganz einfach- die Sierra Nevada de Santa Martha steht direkt neben der Karibik, die Bergsteiger waren direkt von Meereshöhe ohne Chance auf Akklimatisation schnell und direkt aufgestiegen und dann gestorben. Waren ja "nur" 5775m Höhe....aber eben auch genauso viel Höhenunterschied...

Bei Symptomen sofort absteigen oder Atemluft geben (Flasche/Maske).

Ich will aber keine Panik verbreiten, hat man sich dran gewöhnt, ist das Klima meiner Meinung nach besonders gesund und angenehm. Nach meiner Kenntnis gehts bei Asthmatikern eher besser als schlechter, Pollenallergiker haben sowieso viel weniger Probleme. Ich bin, von Europa oder aus dem Tiefland kommend, schon mehrfach in La Paz (El Alto) gelandet und habe es überlebt :-)

Gute Reise also

LG

Was ich noch sagen wollte: Ein Arztbesuch vor der Reise schadet auch aus anderen Gründen nicht, vor allem wenn es ins Tiefland gehen soll, besser zum Tropenarzt. Die akuten Symptome der schweren Höhenkrankheit werden hier http://www.onmeda.de/ratgeber/gesund_reisen/reiseuebel/hoehenkrankheit.html beschrieben

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@Seehund

....eine Sache noch: Wer in den Hochanden Auto, Mountainbike oder gar Motorrad fahren möchte, sollte starke Einbußen bei Aufmerksamkeit, Reaktionszeit und Leistungsfähigkeit während der Akklimatisation einkalkulieren. Die Straßen sind auch gewöhnungsbedürftig. Als Fußgänger in Städten wie Cuzco und La Paz auch etwas vorsichtig sein :-)

LG

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