Frage von Fredkl, 1.098

Stornokosten bei Reiserücktritt einer Ferienwohnung

Im April 2013 haben wir für dieses Jahr v. 4.-18. Mai eine Ferienwohnung gemietet (per Email) haben auch eine schriftliche Bestätigung, aber ohne AGBs bzw. Stornokosten bei Reiserücktrittsangaben). Heute habe ich diese aus privaten Gründen per Email storniert und der Vermieter will nun 90 % Stornokosten von uns haben, wenn er diese nicht vermietet. Die FW liegt in Friedrichskoog Spitze und ich denke,sie ist gut zu vermieten. Meine Frage: Wie hoch sind für mich die anfallenden Stornokosten? Es ist klar, dass wir Stornokosten bezahlen müssen, er hat die FW für uns ja auch frei gehalten. Er hat sie bereits auf seiner homepage-seite für diese Zeit wieder freigegeben, aber auf einer anderen Hompeseite von ihm ist diese FW immer noch belegt (durch uns). Komischerweise ist auf der Homepage, wo er unsere FW wieder freigegeben hat, diese FW noch für das ganze Jahr noch zu vergeben, aber auf der anderen Hompageseite ist diese Wohnung zeitweise übers Jahr vermietet und die Zeit, wo wir diese FW mieten wollten, hat er diese noch nicht für andere freigegeben. Ich hoffe auf eine positive Antwort und verbleibe Mit freundlichen Grüßen

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von sw1611, 1.046

90% Stornokosten zu verlangen finde ich eine Frechheit. Wenn man 1 oder 2 Tage vor Anreise storniert, okay - aber meiner Meinung nach ist das nicht gerechtfertigt, wenn man über 2 Monate vor Anreise storniert. Muss der Vermieter nicht auf die Stornokosten hinweisen? Wir vermieten auch eine Ferienwohnung - bei uns in der Buchungsbestätigung wird darauf hingewiesen, dass keine Stornogebühren anfallen bzw. bei Stornierung innerhalb von 7 Tagen vor Reiseantritt 25% der Kosten anfallen und am Tag vor der Anreise 80% der Kosten. Zu sagen, dass Ihr 90% der Kosten tragen müsst, wenn die Wohnung für den Zeitraum nicht belegt wird zeigt, dass der Vermieter Geld raus schlagen will. Zahlen würde ich auf jeden Fall nicht die 90%.

Meine Antwort kommt zwar etwas spät jetzt 2 Wochen nach der Frage - ich hoffe das ganze hat sich schon zum Guten gewendet :-)

Vielleicht als kleiner Tipp: Beim nächsten Mal über booking.com buchen - dort sind auch Ferienwohnungen eingetragen und dort sind Stornierungsgebühren etc. genau festgehalten. Für den Vermieter zwar blöd (also für mich blöd solch einen Tipp zu geben ;-) ) weil der Vermieter 12% provision an booking.com zahlen muss. Deshalb, wenn man über eine private Homepage anfragt und die Wohnung auch bei booking.com findet würde ich nach einem Rabatt fragen von 10% wenn man über die Homepage bucht - da haben beide etwas von :-)

Kommentar von Fredkl ,

Wie ich sehe, gibt es auch noch nette Vermieter, Vermieter mit Herz. Wir haben inzwischen die Reise bezahlt, da wir trotz mehrmaliger Telefonate mit dem Vermieter zu keiner Einigung gekommen sind. Er besteht auf seine 90% (er wollte sogar noch 100 Euro für Auslagen, die er anscheinend hatte, von uns haben, die wir aber nicht bezahlt haben), falls er oder wir keine Nachfolgemieter für den Zeitraum finden sollten. Wir haben seine Ferienwohnung bei Ebay mehrmals angeboten und auch bei uns im Umkreis Werbung für seine FW gemacht, leider ohne Erfolg. Das Baby unserer Tochter kam inzwischen 2 1/2 Wochen zu früh und ich war noch bis vor der Entbindung bei ihr, aber jetzt haben wir auch keinen Urlaub mehr, um den Urlaub anzutreten. Ich danke Ihnen recht herzlich für Ihre nette Antwort und den guten Tipp, den wir auf alle Fälle für den nächsten Urlaub nutzen werden. So was wird uns nie wieder passieren, wir haben daraus gelernt. Liebe Grüße I. Klose

Kommentar von Fredkl ,

nachdem ich mehrere Anzeigen im Internet aufgegeben habe, gab es zum Glück Nachfolgemieter für obige FW. Der Vermieter ließ sich auf nichts ein und ging auf kein Angebot für uns ein. Bis auf 3 Tage, hat uns der Vermieter gnädigerweise und zähneknirschend das Geld zurück überwiesen.

Antwort
von reiserolf, 585

Hi, der Deutsche Hotel und Gaststättenverband hat Muster-AGBs: http://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd...,d.Yms

Besonders die beiden letzten Absätze sind interessant. Die Frage ob AGBs beim Vertragsschluss vorliegen müssen, kann ich nicht beantworten. Es handelt sich bei dem geschlossenen Vertrag ja nicht um eine Pauschalreise sondern um einen schlichten Mietvertrag.

Im Zweifelsfall hilft nur das Aufsuchen eines Rechtsanwaltes oder einer Verbraucherberatung.

Viele Grüße Rolf

Antwort
von Klaus70374, 718

Die Frage nach den Stornokosten für eine Ferienwohnung ist nicht so einfach zu beantworten. Die Beleuchtung mit allen möglichen Aspekten könnte durchaus auch Gegenstand einer Umfangreichen juristischen Abhandlung sein und würde den Rahmen dieses Forum bei weitem Sprengen.

Auch die Lektüre der Vertragsbedingungen für Ferienwohnungen des Hotel und Gaststättenverbandes - wie hier vorgeschlagen – mag zwar interessant sein, hilft aber nicht weiter bei der Frage, wie hoch sind die Stornokosten in Ihrem Fall sind. Dies kann nur induviduel geklärt werden.

Ich kann hier nur kurz die Problematik anreißen. Die juristische Grundfrage ist: „Wer will was, von Wem, woraus“ (aus welcher rechtlichen Grundlage) ?

Wer war überhaupt Vertragspartner? Der Eigentümer, ein Mieter oder ein Vermittler (Makler) und hatte der Vermieter überhaupt die Berechtigung die Ferienwohnung zu vermieten ?

Welche Gesetze könnten zur Anwendung kommen? In Frage kommen u.a. das Pauschalreiserecht (falls weitere Leistungen mit vereinbart wurden), allgemeines Vertragsrecht (BGB), Mietvertragsrecht, Maklervertragsrecht, Fernabsatzgesetz (falls der Vertrag am Telefon oder im Internet abgeschlossen wurde) und das Recht zur Regelung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Es könnte auch ausländisches Recht zur Anwendung kommen, wenn sich die Ferienwohnung im Ausland (Friedrichskoog Spitze, Namibia?) befindet.

Außerdem muss die Frage geklärt werden, ob überhaupt ein rechtmäßiger Vertrag zustande gekommen ist. Dies muss der Anspruchsgegner nachweisen. Was ist vereinbart worden? Also der Inhalt des Vertrages. Wurden auch AGB´s rechtswirksam mit vereinbart? Falls AGB´s wirksam vereinbart wurden, halten diese auch einer rechtlichen Prüfung nach dem AGBG stand?

Bei den Stornokosten handelt es sich um einen Schadensersatz wegen Nichterfüllung des Vertrages. Zum Schaden zählt natürlich auch der entgangene Gewinn. Dem Gegenüber steht die Schadensminderungspflicht (§254 BGB§). Abgezogen werden kann eine Aufwandsersparnis und die üblicherweise vereinbarten Kosten der Endreinigung. Hier ist auch die Frage was wird geltend gemacht und wer muss was beweisen können.

So können die tatsächlichen Stornokosten für eine Fernienwohnung zwischen 10 % und 95 % des Mietpreises betragen

Ich kann deshalb nur empfehlen die Frage mit einem Rechtsanwalt zu klären. Günstigen Rat bekommen sie bei den Verbraucherzentralen. Hier sollten Sie einen Rechtsanwaltstermin vereinbaren.

Als Tipp empfehlen ich zu prüfen, ob die Wohnung in dem fraglichen Zeitraum leer stand oder vermietet wurde. Hierzu sollte ein Bekannter (der als Zeuge auftreten könnte) am ersten Tag des ursprünglich vereinbarten Mietbeginns anfragen, ob er die Wohnung noch mieten kann bzw. ab wann dies möglich wäre.

Sollte die Wohnung tatsächlich vermietet sein, könnte der Vermieter nur seinen zusätzlichen Aufwand (etwa für Werbung) geltend machen. Dann würde ich ihm nur 10 % des Mietpreises anbieten.

Kommentar von Fredkl ,

Danke, die Antwort war sehr hilfreich. So wie es aussieht, müssen wir wohl die 90% bezahlen, da unser Vermieter gleichzeitig der Eigentümer der Ferienwohnung ist und diese auch nur privat über das Internet vermietet. Es spielt wohl eine Rolle, ob er die gewerblich oder privat vermietet, denn dann ist er wohl vertragsgebunden an den AGBs, als Privatvermieter wohl nicht. Er hat sie gestern noch aus dem Belegungsplan herausgenommen. Von den 90% kann er aber nicht auch noch die Endreinigung verlangen, denn die braucht er ja nicht machen, wenn kein Feriengast in der Wohnung war. Auf alle Fälle werden wir uns an einen RA wenden., denn das ist doch komplizierter, wie wir dachten. Wir haben die FW übers Internet gemietet und haben dies auch alles schriftlich per Email gemacht und er hat dies alles bestätigt. Also ist in diesem Fall wohl ein rechtmäßiger Vertrag zustande gekommen, denke ich. Wir haben aber keinerlei Vereinbarungen getroffen, es ging nur um die Zeit, die wir dort wohnen wollen.

Leider ist nun was dazwischen gekommen und wir wollten in dieser Zeit zu unseren Kindern nach Westdeutschland, die dringend unsere Hilfe in dieser Zeit brauchen. Sie bauen ein Haus und das Haus sollte schon im März fertig sein. Dadurch aber, dass unser Schwiegersohn einen schweren Autounfall hatte, einige Wochen später sich auch noch eine Rippe auf dem Bau gebrochen hat, hat sich alles um Wochen verschoben. Baby kommt auch im April . Ende Mai soll und muss das Haus auch fertig sein, das geht aber auch nur, wenn die ganze Familie mithilft. Ja, das sind nun alles private Gründe, für die ein Geschäftsmann, wie unser Vermieter einer ist, natürlich kein Verständnis hat. Es passieren im Leben manchmal halt eben Sachen, die unvorhersehbar sind und ich finde, ein Vermieter muss auch mal damit rechnen und leben, dass eine angemietete FW nicht gemietet werden kann 20% wären zumutbar und fair gewesen, aber keine 90%, da wir die Reise ja erst am 4. Mai antreten müssen und rechtzeitig bescheid gegeben haben. So wie es aussieht, werden wir dann doch den Urlaub dort in der FW verbringen müssen, bzw. einer von uns, damit das Geld (fast 600 Euro) nicht weg sind. Mal abwarten, wie die Rechtslage ist. Danke noch mal, für all die guten Tipps

Antwort
von heima, 488

So ist es also: Der Vermieter versucht (mehr) Geld herauszuschlagen. Schreibe sofort zurück und verlange eine gerichtsverwertbare Zusammenstellung seiner Unkosten. Zu AGB: Der Vermieter wird sich auf die AGB seines Verbandes beziehen, auch wenn du seine AGB nicht bekommen hast. Wenn du eine Rechtsschutzversicherung hast gehe doch zu einem RA.

Das ist keine Rechtsauskunft.

MfG

Kommentar von Fredkl ,

Danke für die schnelle Antwort. Ich werde mir jetzt wohl einen RA suchen müssen, denn ich denke mal, dass der Vermieter nur Geld rausschlagen möchte. Noch hat er ja keine Auslagen gehabt, da er ja nur die Wohnung im Internet wieder freigeben muss. Hat er ja bereits auf der einen Homepage gemacht, aber ich werde ihn heute abend noch mal anschreiben, dass er auf sämtliche Homepages, die er so im Internet hat, die Ferienwohnung wieder zur Verfügung stellen muss.

Vielen Dank

Kommentar von reiserolf ,

Hi,

ob der Vermieter Kosten hatte oder nicht spielt überhaupt keine Rolle. Das ist ein weit verbreiteter Irrtum. Erst einmal gilt: "Verträge sind einzuhalten".

bye Rolf

p.s. nicht dass ich das gut finde, aber es ist halt so :-(

Kommentar von heima ,

Verträge sind einzuhalten, ok; aber nur wenn die Verträge nicht sittenwidrig sind. MfG

Kommentar von reiserolf ,

Sorry Heima, aber woraus schließt Du das? Hast Du Dir meinen Link oben durchgelesen?

bye Rolf

Kommentar von heima ,

Klar. Mein "weicher Hinweis" war doch: Der Vermieter hat zunächst seine Kosten detailliert zu nennen. Hierzu gibt es einschlägige Gerichtsurteile. Genau das wird der Vermieter nicht tun wollen. Im Normalfall hat man eine (gute) RRV, die die auf den Mieter anfallenden Kosten überwiegend übernimmt. Also, ich würde zunächst den Vermieter höflich schriftlich bitten seine Kosten darzulegen.

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