Frage von koama, 2.147

Personenkontrolle am Flughafen Tel Aviv.

Hallo alle zusammen stelle mir folgende Frage. Ich habe schon desöfteren gelesen, dass in Tel Aviv so gut wie jeder mit längeren Befragungen und Überprüfungen rechnen muss. Je nach dem wie man aussieht, woher man kommt, und wie alt man ist geht das mal schneller vonstatten mal langsamer.

In meinem Fall frage ich mich: Bin 20, single, Azubi, türkischer Abstammung, türkischer Name Geplanter Aufenthalt in Israel 3-4 Tage, war vorher noch nie in Israel. Reise Alleine.

All das spielt doch den Sicherheitskräften in die Hand, mich direkt nach der Ankunft in ein Befragungsraum zu setzen und mich auszuquetschen mit Fragen und Allem.

Ist das realistisch, dass ich dann genau in dieses "terroristenschema" reinpasse aufgrund meiner oben genannten Eigenschaften.

PS: Je nach dem wie die Situation in Israel mit den angrenzenden Nachbarn ist, könnte auf mich die Frage zu kommen, wieso ich ausgerechnet in einer Krisenzeit nach Israel reise

Hoffe jemand kann mir all die Bedenken abnehmen

Gruß Koama

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von travelchris, 1.983

Hallo koama,

also erst mal zu der Frage mit dem Flughafen:

Es gibt tatsächlich eine sehr scharfe Kontrolle jedes Fluggastes. Dabei wird mit einer Kurzbefragung eine erste Einstufung durchgeführt. Das geht recht schnell. Du erhältst einen Barcode mit einer Nummer: Von 1 bis 6. Eins ist äquivalent zu "völlig unbedenklich" und 6 zu "enorm bedenklich". Wir hatten beide eine 6. Du wirst auf jeden Fall eine 6 bekommen mit deinen Daten. Allerdings sehe ich das nicht als wirkliches Problem. Nüchtern betrachtet dauert es ein bisschen, aber es passiert nichts, solange du alle Fragen ehrlich beantwortest und nichts verbirgst. Das merken die nämlich sofort.

Die Kontrollen umfassen: Öffnen des Gepäcks, Abstriche von allem Gegenständen nehmen (selbst Unterhosen), aber vor allem elektronische Geräte und Batterien. Auf einem extra Tisch werden sämtliche Gegenstände ausgebreitet. Danach geht es getrennt nach Geschlechter in eine Kabine, wo man noch mal intensiv, aber respektvoll untersucht wird. Das umfasst nicht(!), dass man sich entkleiden muss. Die Sicherheitskräfte bitten danach immer um Verständnis und bedanken sich für die Kooperation. Es dauert alles sehr lange. Wir waren 3 Stunden vor Abflug da und haben den Flieger nur knapp erwischt. Ich rate dir dazu, 4 Stunden vorher da zu sein.

Bei der Ankunft hatten wir nur eine Befragung (was wir dort machen, wo wir hinwollen usw.). Sehr harmlos.

Die Frage, ob man jetzt unbedingt fliegen muss, ist eine völlig andere. Auf der einen Seite fliegen zwar Raketen bis nach Jerusalem und Tel Aviv, aber objektiv betrachtet ist die Fahrt zum Flughafen in Deutschland wahrscheinlich gefährlicher. Am besten schützt du dich, wenn du dich umsichtig verhältst und die Hinweise des Auswärtigen Amtes beachtest. Man sollte auch versuchen, nicht zwischen die Fronten geraten.

liebe Grüße

Chris

Kommentar von koama ,

Vielen Dank für deine prompte Auskunft Chris,

trotzdem bleiben bei mir bedenken. Ich will echt nur Tel Aviv im Frühjahr genießen und gucken wie das Leben und die Freizeit der Menschen so ist. Ein typischer Touri halt. Aber leider bin ich sehr schnell bei sowas nervös zu bekommen. Also komplette ruhig und nüchtern antworten zu geben, wird mir sehr schwer fallen...

Kommentar von Roetli ,

Dann würde ich die Reise, zumindest derzeit, einfach mal lassen! Im Moment wirst Du 'das Leben und die Freizeit der Menschen' sowieso nicht in der üblichen Weise zu sehen bekommen - es sei denn, Du willst auch mal in Luftschutzbunker rennen wollen...

Kommentar von travelchris ,

das sehe ich ähnlich!

Antwort
von Mikethemike232, 1.568

ich sehe jetzt nicht türkisch aus und bin auch kein Türke, Ich war mehrmals am Ben Gurion Airport - zuletzt um Ostern herum, als es noch keine Gaza Krise gab (obwohl immer mal wieder Raketen flogen). Die Einreise war nicht komplizierter als nach USA. Kurze Befragung, bei der man u.a. seine Bleibe und den Grund des Besuchs angeben musste. Tourist als Antwort reichte bei mir immer. Bei der Ausreise muss man wirklich drei Stunden rechnen, da das Gepäck immer sehr genau geesichtet wird. Gelegentlich muss man auch mal was auspacken. Das ist aber Routine und alle sind sehr korrekt und freundlich. Wie gesagt, das war im März. Kann mir aber denken, dass es jetzt im Juli, wo ein neuer Gaza Krieg wohl unmittelbar bevor steht, ganz anders ist. Sie sind ziemlich nervös, was Terror-Angriffe auf öffentliche Plätze / Gebäude angeht.

Antwort
von HeikoGuide, 1.686

Man muss unterscheiden: Kontrollen in Deutschland (welcher Flughafen?) oder in Israel.

In Deutschland ist der Bundesgrenzschutz zuständig, darüber hinaus gibt es bei israelischen Fluggesellschaften noch eigene Kontrollen, in der Regel nur eine Befragung.

Meine schlechtesten Erfahrungen waren in München, wo immer sehr gründlich kontrolliert wurde und das Ganze auch lange dauerte. Bin aber die letzten 3-4 Jahre nicht mehr ab München geflogen.

In Israel wird man generell befragt, danach kann es vorkommen, dass man genauer untersucht wird. Übrigens bin ich ein blonder Deutscher, der mittlerweile schon Jahrzehnte in Israel lebt, und dennoch war ich Anfang der 2000er Jahre plötzlich terrorverdächtig und wurde immer genau untersucht. Wie travelchris oben beschrieben hat, ist das nicht weiter tragisch. Für mich war das nervig, weil ich etwa alle 2-3 Wochen geflogen bin.

Wichtig ist, die Wahrheit zu sagen! Wenn man also ein Geschenk von jemandem erhalten hat, dann darauf hinweisen und es zeigen. Generell alle Fragen wahrheitsgetreu beantworten, dann geht es am schnellsten.

Übrigens, in den Flughäfen rund um die Welt suchen die Sicherheitsbeamten nach Waffen. In Israel suchen die Beamten nach Terroristen. Daher sind die Kontrollen und Regeln in Israel etwas anders, zumindest hatte ich in Israel noch nie Probleme mit schwachsinnigen Bestimmungen wie keine Wasserflaschen als Handgepäck usw.

Noch etwas: dass Passagiere bei Befragungen nervös werden, sind die israelischen Sicherheitsbeamten gewohnt. Ich glaube kaum, dass das nachteilige Folgen hat.

Antwort
von Hannah45, 1.379

Ich war vor einigen Jahren in Israel und ja, jeder wird befragt. Man muss Angaben machen zum Grund der Reise und was man so gemacht hat. Auch bei der Einreise wird man das zum Beispiel schon gefragt. Darüberhinaus auch wo man wohnt.

Auch wird man nach Geschenken gefragt, die man bekommen hat. Unsere Gastfamilien empfahlen uns, zu sagen das wir nichts bekommen hätten. Das würde Ärger ersparen.

Deine Taschen werden im Übrigen auch genau untersucht und du glaubst gar nicht wie viel Aufregung ein Badesalz vom Toten Meer machen kann.

Antwort
von Nanuk, 1.516

Ich stimme travelchris und fredl2 voll zu. Beachte bei der Ausreise, dass Du im Detail gefragt wirst, wann Du wo warst und was Du dort gemacht hast. Es hilft oft auch, wenn man gebuchte Ausflüge oder Quittungen vorlegen kann. Die Ausreise ist zeitaufweniger und nerviger als die Einreise. Dass Du überhaupt auf's Flugzeug kamst hattest Du sicher schon am Abflughafen eine Befragung. Gewöhn Dich einfach dran, ärgere Dich nicht, bleibe ruhig und vor allem hab keine Angst,. Die Beamten sind wirklich sehr nett und äusserst geduldig.

Antwort
von ManiH, 1.236

Wenn ich die Antwort von travelchris richtig verstehe, dann handelt es sich um die Kontrolle, welche am Flughafen in München, vom deutschen Sicherheitspersonal durchgeführt wird.

D.h, dass wir erstmal von Frankfurt nach München fliegen mussten, wurden dort in einem riesigen Raum (Gebäude) von bewaffneten (MP) deutschen Grenzbeamten oder Soldaten, welche oberhalb auf einer Galerie die Vorkommnisse im Raum kontrollierten, geführt.

Dann wurden die Koffer total ausgepackt und der leere Koffer nochmal durchleuchtet. Wir mussten uns einer scharfen Befragung unterziehen usw. Wie travelchris es schon schilderte.

Unser Flug ging von Frankfurt am frühen Morgen nach Eilat zum Sonnenbaden. Es war ein Non Stop Flug! Wir (alle Passagiere) mussten aber in Tel Aviv (ohne Angabe von Gründen) zwischenlanden und wurden mind. eine Stunde und länger, durch sämtliche Hinterräume des Flughafens geführt und immer wieder neu kontrolliert.

Man durfte sich nirgendwo hinsetzen und auf den Weiterflug warten, konnte sich nichts zum Trinken kaufen, man war ständig nur am Laufen oder Anstehen zur nächsten Kontrolle.

Am frühen Abend durften wir dann endlich in Eilat landen, wo wir eigentlich zum Mittag hätten ankommen sollen. Dort wieder Kontrolle.

Oberhalb unseres Hotels nahe der Grenze zum Sinai liefen immer Soldaten mit einer MP. Im Kaufhaus begegnete man Soldaten mit der Waffe. Bei Grenzübertritt in den Sinai Besuch des Katharinenklosters wurden wir und unser Gepäck intensiv befragt bzw kontrolliert. Bei der Rückkehr war die Kontrolle noch schärfer. So auch nach Petra und zurück.

Beim Rückflug dann intensive Befragung warum wir "diese Besichtigungen" wahrgenommen hätten, die wir bei einem israelischen Reiseunternehmen gebucht hatten.

Dies geschah in einer Zeit des Friedens in Israel.

Antwort
von fredl2, 1.184
so gut wie jeder mit längeren Befragungen und Überprüfungen rechnen muss

Nein, nicht so gut wie, sondern jeder. Wenn Du einigermassen Englisch sprichst, ist dieses Interview zwar lästig, aber ansonsten kein Problem. Du solltest Dich nur recht genau erinnern können, wann Du wo und warum warst.

Die Israeli machen das übrigens bereits seit Jahrzehnten so und bereits beim Hinflug wirst Du und Dein Koffer wie auch jeder andere Mitreisende einer besondern Behandlung unterzogen.

Antwort
von heima, 1.134

Hallo!

Ich würde zunächst zur Deutsch-Israelische Industrie- und Handelskammer oder zur D/I-Gesellschaft gehen. Dort schreibt man dir sicher einen Begleitbrief der nach Vorlage bei den I-Behörden das ein- und ausschecken erheblich verkürzen kann. Du kannst dich auch an einen Deutschen Bundestagsabgeordneten der die offiziellen Besuchstermine der Abgeordneten des Bundestages in Israel kennt, wenden.

Hast du politische Pro-I- Gründe oder positive soziale Gründe um gerade jetzt nach Israel zu fahren sage das denen! Hiermit kann ein reibungsloser Besuch in Israel begünstigt werden.

MfG

Kommentar von Roetli ,

Mit welchem Grund sollten die von Dir genannten Institutionen Begleitbriefe für einen Touristen schreiben? Welche Abgeordneten des Deutschen Bundestages halten offizielle Besuchstermine in Israel ab, warum und wieso für Touristen?

Politische oder positive soziale Gründe kann ich in der Fragestellung nicht erkennen...

Kommentar von heima ,

Hallo!

Ich zahle Steuern in Deutschland, die auch für die oe. Institutionen ausgegeben werden. Ergo erwarte ich von unseren Instutionen Unterstützung. Das klappte bislang, auch kann man sich an eine "öffentliche" Reise anhängen/ einklinken.

Ohne Absicherung auch über das AA würde ich in den nächsten Monaten sowieso keine Reise nach Israel planen.

Für mich gilt derzeit primär: Sicherheit; die Israelis haben derzeit genug mit sich selbst zu tun. Sekundär ist für mich die Wartezeit bei der Ein- und Ausreise.

MfG

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