Frage von martinmuc, 118

Iran individuell?

Hallo zusammen,

ich habe schon viel Gutes über den Iran als Reiseland gehört und würde auch mal gerne dort hin. Hat jemand schon Erfahrungen damit gemacht, nicht gebucht, sondern ganz auf eigene Faust dort hin zur reisen?

Und wenn jemand aus der Community schon mal dort war und Tipps für die Sehenswürdigkeiten hat, freue ich mich auch!

Danke!

Viele Grüße!

Antwort
von Roetli, 111

Ich kann mich der Antwort von hborn45 nur anschließen, bis auf den Nachsatz bzgl. der Stimmung im Land. Ich war im Mai d.J. für vier Wochen allein dort unterwegs und schlechte Stimmung oder 'Unfreiheit' war nirgends zu merken. Die Menschen (ich habe überwiegend Couchsurfing gemacht und bei Privatleuten gewohnt) atmen gerade tief durch und genießen es, sich endlich wieder freier benehmen und bewegen zu können. Ich habe auch keinerlei Einschränkungen erfahren, habe mich allerdings an die üblichen Bekleidungsregeln für Frauen gehalten. Allerdings sind die einheimischen (jungen) Frauen inzwischen in gnadenlos körperbetonte Hosen und Oberteile gekleidet, die Schals hängen gerade mal noch so an den dicken Haarknoten - aber offenbar wird selbst das inzwischen von der Obrigkeit toleriert. Jedenfalls werde ich den zahlreichen Einladungen folgen, und im kommenden April noch einmal für mehrere Wochen dort unterwegs sein (das 30-Tage-Visum läßt sich völlig unproblematisch im Land verlängern!).

Zu den Sehenswürdigkeiten hat hborn45 das Meiste schon gesagt. Im Norden würde ich die Zugfahrt von Teheran nach Sari unbedingt einplanen (Abfahrt tgl. gegen 8h morgens), geht durch eine grandiose Landschaft und kostet fast nichts! Im Süden ist Yazd unbedingt noch einen Besuch wert - eine Stadt mitten in der Wüste mit viel zu sehen (und wunderbaren, ehemaligen Karawansereien, die zu nicht allzu teureb Hotels umgebaut worden sind). Ein 1-2tägiger Ausflug tief in die Wüste lohnt sich bei entsprechender Zeit auch! Bei weiteren Fragen melde Dich einfach noch einmal!

Kommentar von Roetli ,

Die schöne Zugfahrt lohnt nur in Richtung TEH-Sari - die Gegenstrecke wird nur nachts befahren und man sieht nichts (hatte ich vergessen, zu erwähnen)!

Antwort
von streiwo, 15

Individualreisemit Agentur Arian Tours - negative Erfahrung!!

Wir sindein älteres Ehepaar (65+50) und haben bei einer iranischen Reiseagentur, dieuns von einem belgischen Freund aus dessen eigener positiver  Erfahrung empfohlen wurde, im Oktober 2016eine 22-tägige Individualreise durch den Iran gebucht: Auto, Fahrer,Reiseführer, alle Hotels. Die Kosten der Reise waren im Vergleich zu anderenAnbietern in Ordnung - Arian Tours waren zwar nicht die billigsten Anbieter, aber wir haben uns für diese Agenturentschieden, weil sie uns eben persönlich empfohlen worden war.

Das ersteProblem war das Auto, bei dem dem der Sitzabstand des Rücksitzes für michals  grossgewachsenen Passagier viel zuklein war, obwohl ich mehrfach auf einen ausreichenden Sitzabstand imSchriftverkehr hingewiesen habe. Nach meinem Protest wurde in der Nacht nachder Ankunft am Auto herumgebastelt und der Sitzabstand provisorisch etwasvergrössert.

Das zweiteProblem waren die Reiseführer. Wir haben vertraglich vereinbart, dass wir einenuns durchgehend begleitenden, einzigen Reiseführer für die gesamte Tourbekommen. Wir bekamen zunächst einen unglaublich geschwätzigen, permanent undatemlos daherplappernden jungen Mann, der sich nach wenigen Tagen alsungeeignet herausstellte: Er kannte die meisten von uns besuchten Städte und indiesen die Sehenswäurdigkeiten nicht, fand den Weg dorthin erst nach vielfachemStehenbleiben und Passanten auf der Strasse nach dem Weg fragen. Oft fuhren wirzuerst in falsche Richtungen, weil weder der Reisefûhrer noch der ChauffeurLandkarten hatten, sondern sich mit "google maps" zu helfen suchten.Das Hauptproblem dabei waber war, dass weder der Reiseführer noch der Chauffeurdie georgraphischen Darstellungen auf google maps lesen und verstehen undbefolgen konnten. Wir haben daher viele ennervierende Umwege fahren mûssen undviel Zeit verloren. Da der Reiseführer die Örtlichkeiten meist nicht persönlichkannte, kannte er auch keine Öffnungszeiten sowie Parkplätze für den Wagen. Dieübelste Erfahrung mit dem Reiseführer jedoch war, dass er keinen Tagesplan imKopf oder auf dem Papier hatte, sondern in der Früh drauf los fuhr, und im Laufdes Tages Zeit vertrödelte und gegen Nachmittag immer in Zeitnot und Stress mituns kam, um noch rechtzeitig das nächste Etappenziel zu erreichen. Zu den vomReiseführer verursachten Unannehmlichkeiten gehörte auch, dass er keine Ahnunghatte, wohin er im Laufe unserer rund 3000 km langen Rundreise täglich zuMittag essen gehen sollte. Auf den längeren Strecken zwischen denHauptsehenswürdigkeiten mussten wir regelrecht darum kämpfen, dass wir zumMittagessen stehen bleiben. Oft war das dann erst um 3 Uhr nachmittags nachlangem Suchen eines Restaurants der Fall. Selbstverständlich hätte derReiseführer das alles vorbereiten können - aber das war nicht seine Mentalität.

Das was derReiseführer uns an den einzelnen Sehenswürdigkeiten erzählte, war raschangelesen und auf Zusatzfragen war er praktisch nie im Stande, eine vernünftigeund richtige Antwort zu geben. Wir haben jedenfalls aus unseren Büchern 10 malmehr Wissen schöpfen können als uns der Reiseführer präsentierte.

Nacheinigen Tagen der Geduld mit diesem Reiseführer verlangetn wir in mühevollenTelefonaten und emails von Arian Tours einen anderen Reiseführer, den wirschliesslich nach ca 10 Tagen bekamen. Der zweite Reiseführer sprch wie dererste sehr gut Englisch, ansonsten war er aber kaum besser -  keine Orientierung, keine Orts- undStrassenkenntnisse, Kampf ums Mittagessen, kein Tagesplan was man wann wobesichtigen wird u.s.w. Das schlimmste jedoch war, dass dieser Mann überhauptnichts mehr zu den Sehenswürdigkeiten sagte mit der Begründung, wir hättenohnehin gute Reisebücher. In Wahrheit aber telefonierte er pausenlos - im Auto,während der Besichtigungen -  auf seinemMobiltelefon. Als wir uns über dieses unverschämte Verhalten beschwerten,begründete er dies damit, dass er noch zwei andere Berufe habe, um die er sicheben über das Telefon während der Reise kümmern müsse.

Wir habendie Zentrale von Arian Tours kontaktiert und uns beschwert und dann nacheinigen weiteren Tagen den dritten Reiseführer zugeteilt erhalten. Dieser warmenschlich der netteste, extrem hilfsbereit, verstand sogar, dass wir etwas zuMittag essen wollten - allein: Er konnte kaum Englisch, hatte ebenfallsschlechte Ortskenntnisse und sagte freimütig vom Anfang an, dass er nureingespungen ist, um Arian Tours zu helfen - vom Hauptbereuf sei erKrankenpfleger, zu den Sehenswürdigkeiten könne er uns daher leider ebenfallsnichts erzählen.

So weitmein Bericht, der illustrieren soll, warum wir vor der  Reiseagentur Arian Tours ausdrücklich warnenund sie in keinem Fall empfehlen können. Die negativen Erfahrungen mit dreiunprofessionellen Reiseführern sprechen eine deutliche Sprache!

Antwort
von hborn45, 96

hallo,

ich kann dir den iran als reiseland nur wärmstens empfehlen. es ist nicht nur die vielfalt der zum teil überwältigend schönen landschaften, der kulturelle reichtum, seine jahrtausendalte geschichte oder die orientalische exotik, die dieses land so einzigartig sein lassen, sondern es sind an erster stelle die wunderbaren menschen, denen ich in 2011 auf meiner individuellen radreise von köln nach singapur begegnet bin.

auf meinen vielen reisen - geschäftlich wie seit einigen jahren intensiv mit dem trekkingrad privat - habe ich nirgends sonst in vergleichbarer weise höflichkeit, ehrlichkeit, freundlichkeit und gastfreundschaft erlebt wie in den 30 tagen meines aufenthalts dort. ob es die grenzbeamten in astara (grenze azerbaidschan/iran) waren, die mich bei der kontrolle mit obst beschenkten, die junge frau im chador, die mich dort freundlich lächelnd mit 'welcome to our country' begrüßte, der restaurant-besitzer bahador in rasht, der mich nicht nur zum essen in seinem lokal, sondern gleich für zwei tage zu seiner familie nach hause einlud, der polizeioffizier, der mir bei 50°c im schatten in der dasht-e-kavir wüste eine flasche eiswasser und ein freundliches gespräch spendierte oder, oder, oder - der beispiele gibt es viele.

als besondere eindrücke sind bei mir haften geblieben:

  • die küste des kaspischen meers um anzali mit seinen riesigen teeplantagen
  • natürlich teheran (nicht wirklich schön, aber hochinteressant)
  • shiraz und esfahan mit ihren großartigen anbetungsstätten, bazaren, plätzen und bauwerken
  • die altpersische residenzstadt persepolis
  • kashan mit seinen prachtvollen häusern und dem fin-garten
  • die pittoresken orte abyaneh und kang
  • mashad mit dem imam-rezi-schrein oder
  • der besuch in den zelten kurdischer nomaden im nordosten

andererseits darf nicht verschwiegen werden, dass aber auch die offensichtliche unfreiheit im öffentlichen leben, die strenge der durch die mullahs auferlegten regeln, die politische und kulturelle isolation der iranischen gesellschaft offensichtlich und deutlich spürbar sind und jeden besucher bedrücken.

dennoch, ich würde jederzeit und am liebsten sofort wieder dorthin reisen, denn es gibt noch unendlich viel zu sehen, und die einladung zur familie meines freundes bahador in rasht ist permanent.

willst du mehr von meinen erlebnissen erfahren lies hier: http://radtouren.herbertborn.de/koln-singapur-radfernreise-auf-den-spuren-der-seidenstrase/reiseberichte/iran/

gute reise!

herbert

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten