Frage von martinmuc, 96

Iran individuell?

Hallo zusammen,

ich habe schon viel Gutes über den Iran als Reiseland gehört und würde auch mal gerne dort hin. Hat jemand schon Erfahrungen damit gemacht, nicht gebucht, sondern ganz auf eigene Faust dort hin zur reisen?

Und wenn jemand aus der Community schon mal dort war und Tipps für die Sehenswürdigkeiten hat, freue ich mich auch!

Danke!

Viele Grüße!

Antwort
von Roetli, 91

Ich kann mich der Antwort von hborn45 nur anschließen, bis auf den Nachsatz bzgl. der Stimmung im Land. Ich war im Mai d.J. für vier Wochen allein dort unterwegs und schlechte Stimmung oder 'Unfreiheit' war nirgends zu merken. Die Menschen (ich habe überwiegend Couchsurfing gemacht und bei Privatleuten gewohnt) atmen gerade tief durch und genießen es, sich endlich wieder freier benehmen und bewegen zu können. Ich habe auch keinerlei Einschränkungen erfahren, habe mich allerdings an die üblichen Bekleidungsregeln für Frauen gehalten. Allerdings sind die einheimischen (jungen) Frauen inzwischen in gnadenlos körperbetonte Hosen und Oberteile gekleidet, die Schals hängen gerade mal noch so an den dicken Haarknoten - aber offenbar wird selbst das inzwischen von der Obrigkeit toleriert. Jedenfalls werde ich den zahlreichen Einladungen folgen, und im kommenden April noch einmal für mehrere Wochen dort unterwegs sein (das 30-Tage-Visum läßt sich völlig unproblematisch im Land verlängern!).

Zu den Sehenswürdigkeiten hat hborn45 das Meiste schon gesagt. Im Norden würde ich die Zugfahrt von Teheran nach Sari unbedingt einplanen (Abfahrt tgl. gegen 8h morgens), geht durch eine grandiose Landschaft und kostet fast nichts! Im Süden ist Yazd unbedingt noch einen Besuch wert - eine Stadt mitten in der Wüste mit viel zu sehen (und wunderbaren, ehemaligen Karawansereien, die zu nicht allzu teureb Hotels umgebaut worden sind). Ein 1-2tägiger Ausflug tief in die Wüste lohnt sich bei entsprechender Zeit auch! Bei weiteren Fragen melde Dich einfach noch einmal!

Kommentar von Roetli ,

Die schöne Zugfahrt lohnt nur in Richtung TEH-Sari - die Gegenstrecke wird nur nachts befahren und man sieht nichts (hatte ich vergessen, zu erwähnen)!

Antwort
von hborn45, 83

hallo,

ich kann dir den iran als reiseland nur wärmstens empfehlen. es ist nicht nur die vielfalt der zum teil überwältigend schönen landschaften, der kulturelle reichtum, seine jahrtausendalte geschichte oder die orientalische exotik, die dieses land so einzigartig sein lassen, sondern es sind an erster stelle die wunderbaren menschen, denen ich in 2011 auf meiner individuellen radreise von köln nach singapur begegnet bin.

auf meinen vielen reisen - geschäftlich wie seit einigen jahren intensiv mit dem trekkingrad privat - habe ich nirgends sonst in vergleichbarer weise höflichkeit, ehrlichkeit, freundlichkeit und gastfreundschaft erlebt wie in den 30 tagen meines aufenthalts dort. ob es die grenzbeamten in astara (grenze azerbaidschan/iran) waren, die mich bei der kontrolle mit obst beschenkten, die junge frau im chador, die mich dort freundlich lächelnd mit 'welcome to our country' begrüßte, der restaurant-besitzer bahador in rasht, der mich nicht nur zum essen in seinem lokal, sondern gleich für zwei tage zu seiner familie nach hause einlud, der polizeioffizier, der mir bei 50°c im schatten in der dasht-e-kavir wüste eine flasche eiswasser und ein freundliches gespräch spendierte oder, oder, oder - der beispiele gibt es viele.

als besondere eindrücke sind bei mir haften geblieben:

  • die küste des kaspischen meers um anzali mit seinen riesigen teeplantagen
  • natürlich teheran (nicht wirklich schön, aber hochinteressant)
  • shiraz und esfahan mit ihren großartigen anbetungsstätten, bazaren, plätzen und bauwerken
  • die altpersische residenzstadt persepolis
  • kashan mit seinen prachtvollen häusern und dem fin-garten
  • die pittoresken orte abyaneh und kang
  • mashad mit dem imam-rezi-schrein oder
  • der besuch in den zelten kurdischer nomaden im nordosten

andererseits darf nicht verschwiegen werden, dass aber auch die offensichtliche unfreiheit im öffentlichen leben, die strenge der durch die mullahs auferlegten regeln, die politische und kulturelle isolation der iranischen gesellschaft offensichtlich und deutlich spürbar sind und jeden besucher bedrücken.

dennoch, ich würde jederzeit und am liebsten sofort wieder dorthin reisen, denn es gibt noch unendlich viel zu sehen, und die einladung zur familie meines freundes bahador in rasht ist permanent.

willst du mehr von meinen erlebnissen erfahren lies hier: http://radtouren.herbertborn.de/koln-singapur-radfernreise-auf-den-spuren-der-seidenstrase/reiseberichte/iran/

gute reise!

herbert

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