Frage von zusel, 4

»Gütiger Himmel, hat schon jemals ein Mensch ein derartiges Land gesehen!« Charles Sturt

Wo hattet ihr beim Reisen jemals diesen Gedanken? Ist das heute überhaupt noch möglich, oder haben wir uns schon so gut vorbereitet und alle Bilder der Welt schon gesehen, das so ein Ausruf gar nicht mehr möglich ist?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Seehund, 1

Hallo,

obwohl ich ansonsten ein Meermensch bin, habe ich bei der Lektüre dieser Frage zuerst an Bolivien gedacht. Nicht nur wegen der landschaftlichen Vielfalt und der unterschiedlichen Lebensräume, praktisch alle denkbaren tropischen Höhenstufen und Vegetationsformen sind vertreten, sondern auch wegen besonderer" Wow-Effekte". Wo kann man schon auf eine Distanz von 500km den vergletscherten Gipfel eines Vulkanen (Sajama) genau erkennen, der über dem Altiplano zu schweben scheint? Wo gibt es Gipfel wie die Patachayas? Wo ist die Luft so klar? Am Andenostabhang hatte ich das Gefühl, das ganze Amazonasbecken überblicken zu können, was natürlich nicht geht, aber es fühlte sich so an. Wo hat man, wie nach einem Regenereignis auf dem Salar de Uyuni, das Gefühl eine Ameise auf einem riesigen Spiegel zu sein? Ich könnte noch länger so weiter machen, aber selten hat mich etwas so beeindruckt, wie die über 15000km durch dieses Land.

Auch in negativer Hinsicht. Wenn sich Stämme wie die Matacos/Weenhayek durch den Alkohol selbst ausrotten und tagsüber zu dutzenden unter freiem Himmel auf dem Boden liegen. Wenn Kinder am Rande der Großstadt im Dreck spielen, wenn Familien versuchen, sich mit drei Ackerfurchen zu ernähren, wenn verwahrloste, staatliche Erdölanlagen ganze Landstriche für Mensch, Tier und Pflanze unbewohnbar machen, Wenn ich den Büschen rund um Uyuni das Plastik hängt wie Blüten und Vicunas dieses fressen.......

LG

Kommentar von Nanuk ,

2x DH Seehund. Superantwort, die Plastiksäcke hängen/liegen nicht nur in Südamerika !!

Kommentar von Seehund ,

Stimmt, auch in meiner Garage! :-)

LG

Kommentar von Nanuk ,

:-)) Dort richten sie aber keinen Schaden an, oder doch?

Kommentar von Seehund ,

Nö! :-)

Antwort
von RomyO,

Hallo,

ein ganzes Land kann ich nicht nennen, doch eine Region in Griechenland. Auf der Halbinsel Peloponnes liegt auf dem mittleren Finger die sogenannte Mani. Dieser Landstrich hat mich beim ersten Besuch wirklich verblüfft und ich war nah dran, ähnliches auszurufen ...

Hier:

http://www.reisefrage.net/frage/in-welcher-abgelegenen-ecke-ist-europa-immer-noc...

hatte ich mich kürzlich über diese faszinierende Gegend geäußert.

Antwort
von Sannemann,

Im positiven Sinne habe ich es bereits mehrfach gedacht, wenn auch nicht so wörtlich wie in dem Zitat. Die Granitfelsformationen der Seychellen waren in natura noch einmal etwas ganz anderes als auf den Bildern im Reiseführer und die Atmosphäre im Vallée de Mai war per Buch überhaupt nicht zu transportieren, so daß mich das schon zu ähnlichen Ausrufen animiert hat. Auch die Nilkreuzfahrt hat Eindrücke gebracht, die man mir zuvor auch als Reisebeschreibung mündlich oder schriftlich so nicht hätte vermitteln können. Ich wußte, daß ich Bauern mit Eseln vor Ziehbrunnen und Dattelpalmen sehen würde. Daß das ganze dann aber wie die lebendig gewordene Bibel wirken würde, dazu mußte man das erst erleben.

Im negativen Sinne habe ich es fast wörtlich erst vor zwei Wochen gedacht, als ich nach Ankunft in Paris über die Autobahn ins Umland fuhr und im Vorbeifahren die Lager der illegalen Roma gesehen habe, die sich dort auf den staatlichen Grünstreifen direkt an der Fahrbahn breitmachen. Diese Slums, die sich durch herumfliegenden Müll bereits Kilometer zuvor ankündigen, sahen nicht nur bei weitem schlimmer aus, als alles was ich bislang auf meinen Reisen gesehen habe, sondern ließen eine brasilianische Favela wie ein Neubaugebiet wirken. Was für ein unfaßbares Elend. Obwohl mir aus beruflichen Gründen durchaus bekannt ist, welche Auswirkungen die ab 2014 greifenden Freizügigkeitsregelungen für Bulgarien und Rumänien bereits jetzt zeigen, war ich darauf nicht vorbereitet, denn bei meinem letzten Aufenthalt in Frankreich 2012 gab es das in solchem Ausmaß bei weitem nicht.

Antwort
von tauss,

Natürlich ist dieser Ausruf möglich. Und genau deshalb reist man ja. Und entsprechende Erlebnisse kann man, vom Indian Summer bis hin zu phantastischen Sternenhimmeln in unbeleuchteten Gegenden überall haben. Egal ob in der Arktis, auf Madagaskar, den Kanaren oder der schwäbischen Alb.

Einer unserer unvergesslichsten Eindrücke waren in Alaska und am Yukon den ganzen Himmel bedeckenden gewaltige Polarlichter und eine riesige durchziehende Karibou- Herde. Wir machten unser Zelt weit auf und konnten nur noch staunen..

Ebenfalls wunderte ich mich dort im ganz schlimmen Sommer 1986, wie viele Millionen Stechmücken auf einem einzigen Menschen Platz finden können. Auch das war unbeschreiblich :)

Antwort
von Wimelima,

Ich weiß nicht, wie es "heute" ist oder wäre, ich war in den 90ern auf Tonga und Samoa, da dachte ich das, v.a. über Samoa. So wunderschön und paradiesisch, die Menschen so arm und doch zufrieden. Wir haben damals das Dorf gesucht, das in einer Geo Spezial Südsee abgebildet war - und gefunden. Mit den Fotos in der Hand wurden wir gleich vom "Häuptling" eingeladen und seine Mutter stellte uns das einzige Bett im Haus zur Verfügung (alle anderen schliefen auf Matten auf dem Boden). Inder Suppe schwammen Ameisen, die Gäste und das Oberhaupt bekamen zuerst, die anderen saßen drumherum und aßen anschließend. Mit kleinen Gastgeschenken (T-shirts mit Aufdrucken, die sie vorher an uns bewundert hatten) machten wir die Familie sehr glücklich. Die Kinder badeten in einer Art Dorfteich, in dem auch gewaschen wurde. Wir fuhren mit dem Bus zum Markt, im Bus lag ein totes Schwein (für den Markt) im Gang...lauter solche Erlebnisse, die jederzeit unglaublich wirkten. Im Anschluss entdeckten wir am Ende der Insel einen Paradiesstrand - ohne Bebauung, nur ein paar "Hütten", wo man schlafen konnte (auf und unter Laken, sonst nicht), tagsüber wurden Kokosnüsse frisch von den Palmen geholt. Das war die Entdeckung der Langsamkeit, es gab nichts zu tun als einfach da zu sein. Ich hoffe, dass es heute dort noch so ist, kann es mir aber nicht vorstellen.

Antwort
von Nanuk,

Im positiven Sinne: Naja, kann nicht als Land bezeichnet werden, aber das traumhafte Eismeer in Grönland hat mir fast den Atem geraubt.

Im negativen Sinne: Das habe ich mich auf der Fahrt von Zimbabwe nach Mosambik gefragt, als ich den allgegenwärtigen, verotteten und unendlichen Müll sah.

Antwort
von Revolera,

Positiv - als ich in der Antarktis war. Ich reise ja doch öfters, aber da habe ich regelrecht Monate gebraucht um es zu verdauen.

Negativ - die chinesische Stadt Chongquing vor 30 Jahren. Ich musste drei Tage da verbringen und hoffte damals inständig dass mich das Schicksal nie wieder dahin verschlägt. Vermutlich nicht zu vergleichen mit der Stadt von heute.

Antwort
von Zinni,

Ich war bislang neue Mal in Grönland und könnte diesen Satz dort immer aussprechen.

Kein Land der Welt fasziniert mich mehr, für mich kommt da keine Antarktis, Nepal, Australien, Wanne-Eickel oder sonst was mit.

Ich bin mir sicher dass es dort Gegenden gibt in denen noch niemand war (also der Satz so gesehen sogar stimmt), aber auch dort wo man relativ einfach hinkommt und man seine Freude zur Natur teilen muss raubt einem der Atem, ich finde es traumhaft. Die Eisberge dort sind einzigartig und verändern sich ständig, in der Tat hat niemand die Szenen vorher gesehen die man gerade sich anschaut.

Bei seltenen Momenten dort kann der Satz auch negativ gemeint sein, wenn man im Sommer in einen Mückenschwarm gerät kann man schon einmal unanständig fluchen ohne rot zu werden, aber das ist mehr eine Nebensache.

Kommentar von RomyO ,

In Deinen Worten und Fotos fühlt man die Begeisterung :-)

Ich wünsche Dir ein tolles Jahr 2014 mit viele weiteren Eindrücken, an denen Du uns hier teilhaben lässt.

Kommentar von Zinni ,

Vielen Dank :-)

Auch dir wünsche ich ein tolles 2014!

Antwort
von fredl2,

So was ähnliches denke ich mir in Kroatien immer wieder mal. Auch an der Amalfiküste war der Gedanke nicht weit weg. Santorin hat mich früher immer völlig weggeschossen.

Garantiert immer habe ich dieses Gefühl, wenn ich den Irschenberg hinunterfahre, die Sonne scheint und rechts dieses kleine Kirchlein auftaucht. Dann weiss ich normalerweise: jetzt gehts in Urlaub! Oder heim.

In Asien, Amerika und Sonstwoweiterweg kann ich mich an so ein Glücksgefühl erinnern. Irgendwas war da immer anders.

Kommentar von fredl2 ,

Eigenkommentar

kann ich mich an so ein Glücksgefühl nicht erinnern

Jetzt passts.

Antwort
von ManiH,

Dieser Gedanke kam uns bei einer frühmorgendlichen Safari in der Massa Mara in Kenia.

Die Weite, das Land, die Menschen, die Tiere, der Sternenhimmel, all das Das war/ ist uns ein unvergessliches Erlebnis. Zumal wir diese/eine Reise nach Afrika nicht nochmal unternehmen können.

Kommentar von ManiH ,

Es sollte da stehen;

und der Sternenhimmel bei Nacht

Antwort
von inesschroeder,

Hallo,

ja ich denke es jedes Mal wenn ich wo anders bin, den eine Bild sehen (auch wenn die Menschen mittlerweile wie Susan Sonntag schreibt, "picture junkies" sind) ist etwas anderes als wirklich dort stehen und es erleben ... Wenn man wirklich, real an dem Ort steht, wirken ja noch andere kleine und große Dingen auf einen.

Ich kann also mitten in London oder Berlin stehen und denken: WoW, obwohl ich dort schon hundertmal war.

Gruß

Antwort
von Fillius,

Meinst du positiv oder negativ?

Kommentar von zusel ,

Positiv natürlich!

Kommentar von Fillius ,

Na, in dem Fall fällt mir jetzt spontan

  1. Indien, Mahabalipuram (in der Nähe von Chennai), Ideal Beach Resort ein. Bei einem von vielzähligen Besuchen, schwirrten nämlich abertausende von Libellen über dem Strand herum - unglaubliches Bild (und Ton :D) + die eh schon sehr schöne Kulisse. War echt toll!!

und 2. Unsere Weihnachtsfeier vor ein paar Tagen. Wir sind nach Österreich auf einen Berg gefahren (leider, leider fällt mir gerade nicht ein, wie er heißt), zum Schneeschuhwandern - Beim Sonnenuntergang hat sich uns ein aberwitzig schönes Bild geboten. Im Hintergrund die wundervollen Farben des Sonnenuntergangs und davor ein Wolkenmeer, das sich bis zum Horizont erstreckt hat (die Wolken lagen sehr tief) und aus diesem Wolkenmeer ragten einzelne Gipfel, wie kleine Inseln, heraus. Man konnte schlichtweg nicht mehr, als staunen!

ein. :D

Da gab es allerdings noch einige andere Orte, die auf deine Frage passen würden! :)

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