Frage von bambi, 16

Einleben nach Reise ??

Nach meiner ersten langen Reise, die 10 Monate durch Asien, Australien, Neuseeland usw. geführt hat bin ich nun seit knapp einem Monat wieder zurück in der Heimat. Ich hab mich nicht auf zuhause gefreut, aber es ging nunmal nicht anders. Jetzt bin ich hier und ich komm überhaupt nicht klar. Das Wetter, die Menschen, das alles zieht mich total runter. Am liebsten würd ich ins nächste Flugzeug steigen und wieder wegfliegen, der Drang ist extrem stark und ich kann mich kaum auf was konzentrieren. Seit 2 Wochen arbeite ich nun auch wieder und ich komm überhaupt nicht "rein". Ich bin total übellaunig, aufstehen fällt mir extrem schwer und ich kann mich einfach nicht motivieren. Wie krieg ich das irgendwie in den Griff?

Antwort
von tauss, 16

Kann man durchaus nachvollziehen, auch wenn Wetter und Umstände hierzulande eben so sind wie sie sind. 

Meine Reisen und ein erstmaliger Ausstieg, schon im Jahre 1984, haben bei mir aber auch dazu geführt, hier Dinge schätzen zu lernen, die es in anderen Weltteilen so nicht gibt (einschließlich des Regens, der uns wenigstens wunderbar grüne Landschaften statt Wüste beschert). 

Vom Frieden und einer sozialen Absicherung ganz zu schweigen. Schon in den USA stirbst Du halt, wenn Du Krebs hast und Du Dir irgendwann  die Behandlung nicht (mehr) leisten kannst (im Bekanntenkreis erlebt). Von Asien ganz zu schweigen. Der Alltag in den von Dir bereisten Gegenden ist für Millionen Menschen oft härter als hier. Und sie sind dennoch oft "zufriedener". 

Auch für solche Betrachtungen verliert man auf solchen Reisen, die ja trotz ihrer Länge nur "Blitzlichtaufnahmen" eines letztlich doch Außenstehenden sind, oft den Blick. 

Ansonsten hilft wohl nur : 

Das nächste Projekt vorbereiten, auf das man sich freuen kann. Sei es nun eine neue Reise zu einem späteren Zeitpunkt (kann ja auch innerhalb Europas sein und evtl. "nur" eine längere Radtour), eine neue Wohnung (siehe @Roetli) , die Übernahme eines verwilderten Gartengrundstücks, wo man sich mal ein halbes Jahr körperlich austobt, oder auf hohe Berge steigen, ein Ehrenamt, evtl. sogar ein neuer Job (habe ich damals so gemacht) etc. etc. 

Kurz: Neue Herausforderungen suchen. 

Und vor allem jetzt die Reise "aufarbeiten". Du konntest Dir einen Traum erfüllen, der für viele Menschen doch lebenslänglich ein Traum bleibt. Auch das ist ein wichtiges Gefühl. Ich zehre heute noch davon, "es" damals, ohne Netz und doppelten Boden, schon "gemacht" zu haben. Jedenfalls blieb mir die Midlife-Crises erspart 😀. 

Man sollte  (auch für sich selbst) ein Buch über das Erlebte schreiben (muss ja kein Bestseller werden), das man aber auch an Freunde verschenkt, die Fotos und Geschichten auf einer eigenen Homepage aufbereiten etc. etc. 

Viel Spaß und Erfolg dabei;) 

Kommentar von tauss ,

Ausländisch ist manchmal schwierig... was mir erspart blieb war übrigens nur die Midlife- CRISIS.. 😀

Kommentar von Wimelima ,

Ich kann Fragesteller auch sehr gut verstehen und finde Deine Antwort extrem gut und aufbauend. Vielleicht drucke ich sie mir mal aus  - habe fast nach jeder Reise und sei sie noch so kurz, ein kleines "Zwischentief".

Antwort
von Roetli, 13

Das wird schon - ich habe nach 15 Monaten fast ein Jahr gebraucht, um mich wieder an 'zuhause' zu gewöhnen bzw. hier in Deutschland wieder zurecht zu kommen. Ich hatte das Glück, daß ich nach der Rückkehr gleich eine neue Wohnung suchen mußte, da hatte ich einiges zu tun und anzuschauen und so waren bestimmte Zeiten beim 'Fernweh' ausgeklammert!

Aber ich kann Dich gut verstehen - ich kam im Oktober zurück und hatte mir als Zeitrahmen für das Finden einer neuen bezahlbaren Wohnung bis spätestens Weihnachten gesetzt - das hier in München! Wenn das nichts geworden wäre, hatte ich mir fest vorgenommen, spätestens zu Neujahr wieder mein Köfferchen zu packen und mich wieder auf die Reise zu machen (omit iche eigentlich fest gerechnet hatte)! Aber manchmal passieren eben doch Wunder - und heute freue ich mich jeden Tag an meiner hübschen, ganz günstigen Wohnung und mache jedes Jahr, neben einer langen Reise, zusätzlich einige Kurzreisen zu europäischen Zielen, die ich entweder sehr liebe (und wo ich auch Freunde habe) oder entdeckungswert sind, etwas abseits der üblichen Routen (Sofia, Lyon, Bukarest, Montpellier, Krakau etc.). So bin ich inzwischen wieder auf einem 'deutschland-verträglichem' Level gelandet!

Gutes Durchhalten und vielleicht kannst Du Dir so etwas ja noch einmal leisten!

Antwort
von Canario, 13

Hallo

Du bist nicht die einzige die sich nach einer schönen Reise nicht auf zuhause gefreut hat :)

Wenn du mit dem Wetter und den Menschen in deiner Heimat nicht klar kommst, dann könntest du dir überlegen, woanders zu arbeiten, wo es dir besser gefällt. Leichter gesagt als getan. Ein Job in einem anderen Land zu finden kann schwierig sein. Wenn du dich woanders wohler fühlst, dann kannst du dich nach Stellen und Arbeitsbedingungen umsehen. Je nach Land kann es sein dass du eine Arbeitserlaubnis oder eine Aufenthaltsbewilligung brauchst.

Es hat sicher auch Vorteile in der Heimat zu leben und zu arbeiten. Du solltest dich dessen bewusst werden, welche Vorteile du in deinem Land hast.

Antwort
von HeMat, 10

Ich habe vor 20 Jahren eine "nur" 6-wöchige Reise durch Südostasien gemacht und mir ging es nach Rückkehr auch so. Es lag nicht am Jetleg, den kriegt man relativ schnell in den Griff. Es waren einfach die vielen Eindrücke.Ich habe heute noch viele Bilder im Kopf und denke an die Reise. Die ersten Wchen nach Rückkehr waren ganz schlimm, ich stand förmlich neben mir. Wie muss es erst nach 10 Monaten sein. Ich denke das wird für Dich noch eine ganze Weile anhalten. Aber es ist doch auch schön, diese

Erlebnisse und die vielen Eindrück noch einmal zu durchleben. Stell Dir vor wie es wäre, wenn all die Eindrücke, die man gesammelt hat, schnell verfliegen würden.

Antwort
von Agaire, 9

Kann mir vorstellen, dass das ein ziemlicher Kulturschock sein muss für dich...

Antwort
von trelos, 8

gute antworten gabs schon. vor allem zu schätzen lernen was wir hier haben....! und sich aufs nächste mal freuen. mich trifft auch imemr der schlag wie unfreundlich, maulend usw. unsere gesellschaft ist - nach einer weile ist man wieder mitten drin.

aber ich denke du wirst dir in zukunft dein leben so einteilen dass du es wiedermachen kannst. ich begann vor 30 jahren - im winter gehts immer noch jedes jahr mit dem rucksack weg, komme gerade aus guatemala nach 4 monaten

(ich habe mein leben darauf eingestellt und arbeite in der saison dann 24/7 für 6-8 monate - alles geht, je nachdem wie wichtig einem das ist. ich brauche immer die aussicht auf ein neues flugticket, hab aber noch kein smartphone, tv, auto alles 15 jahre alt, bevor was nicht kaputt ist kommts nicht weg usw.).

je nach lebensweg und wertigkeit teilt man sich sein leben dann danach ein ob man wieder reisen will, hoffe du kannst dann auch wieder mal los!

Antwort
von TravelLove321me, 3

Geht mir auch immer so danach. setz mir highlights die Woche wie Massage, nen neues Restaurant testen, oder mal was basteln das ich nie gemacht hab oder mal selbst Likör herstellen :D irgendwie so fing das an und danach viele freunde um mich rum haben dann gings :) Du schaffst das hoffentlich! glaub ganz normal nach so einer langen reise. wollte damals auch gleich auswandern...das dauert ne zeit

Antwort
von Endless, 7

Wenn es denn wirklich sooo schlimm ist, solltest du einen Arzt (Psychologen, Psychiater) konsultieren. Eine Reise soll keine Flucht vor dem tatsächlichen Leben sein. Es ist eine nette "Auszeit", nicht mehr und nicht weniger.

Kommentar von Roetli ,

Liebe Endless, ein so langes Unterwegssein ist ja eigentlich nicht nur eine 'Reise' im Sinn des Wortes. Zumindest in meinem Fall war es aber keine Flucht, sondern einfach die Erfüllung eines langen Traums, der wegen Familie, Kindern in der Ausbildung, relativ spät noch einmal eine neue Karriere gestartet etc. einfach erst aus finanziellen, später  aus Zeitgründen vorher nicht möglich war.

Man stellt sich bei einer mehrmonatigen Reise intensiv auf andere Lebensweisen, andere Umgebungen - eben eine komplett andere Art des Lebens ein. Das ist auch nötig, da man eine so lange 'Urlaubsreise' vermutlich sonst nicht schaffen (oder in dem Fall auf jeden Fall einen Arzt brauchen würde! Da ist es eben schon schwierig, sich wieder an das Leben in Deutschland zu gewöhnen - aber einen Arzt braucht man dafür in aller Regel nicht, nur eben Zeit.

Bei mir war es vor allem das Wieder-Gewöhnen an die 'Enge' hier in Deutschland, nach den unendlichen leeren Weiten von Namibia, Australien, Süd-Amerika, USA und Kanada. Sowas gibt es hier in Europa, zumindest in Deutschland, nicht und man stößt ständig an Grenzen, was manchmal richtig körperlich weh tut.

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