Frage von Meister,

Apulien, Basilikata oder Kalabrien

Nachdem wir nun schon öfters in der Toskana waren wollen wir dieses Jahr in südlichere Gefilde vordringen, auch deshalb, weil wir erst mitte September Urlaub haben und trotzdem noch die Wärnme genießen möchten. Wir möchten gerne Natur- und Strandurlaub verbinden, hätten dazu noch gerne kleine Städtchen in denen wir etwas flanieren können oder die einfach schön anzuschauen sind und es lecker Essen und Trinken gibt:)

Jetzt meine Frage(n): Welche Region haltet Ihr dafür passender, Apulien, Basilikata oder Kalabrien? Was sind die Vor- bzw. Nachteile, was müssen wir auf jeden Fall gesehen haben? Zum Baden ist es in diesen Regionen doch sicher noch warm genug?

Ich hoffe ihr könnt mir helfen:) Ach ja, wir werden uns einen Mietwagen zulegen, sind also mobil!

Hilfreichste Antwort von Roetli,
4 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Ja, zum Baden ist es auf jeden Fall noch warm genug - und eine gute Zeit, denn dann gelten überall auch schon Neben- oder gar Nachsaison-Preise! So wie die Toscana dürft Ihr Euch aber alle drei genannten Provinzen nicht vorstellen - dort ist alles sehr viel authentischer, teilweise auch ärmer, manchmal bäuerlicher, auch viel 'leerer', aber auf jeden Fall - bis auf den Gargano vielleicht - nicht so touristisch! Bummeln durch alte Renaissance-Städtchen gibt es dort nicht - zu der Zeit war die Hoch-Zeit dieser Gegenden schon längst vorbei! Hier wimmelt es von Zeugnissen der Normannen, Langobarden und Staufer, der Griechen und Römer und manchmal gibts auch was ganz altertümliches zu sehen (die Höhle, wo der Altamura-Mann entdeckt wurde z.B.!)

Apulien ist an sich ein guter Tipp - aber neben den von RomyO genannten Orten gibt es weiter südlich noch einige, die nicht ganz so touristisch sind wie der Gargano und trotzdem jede Menge Sehenswertes bieten - Lecce mit seiner wunderbaren Altstadt, die Kathedrale in Andria, das beschauliche Cerignola usw. usw. - aber, außer am Gargano und den winzigen Ausläufern des Apennin, so gut wie völlig flach!

Ich als bekennender Basilikata-Fan rate Euch natürlich, dorthin zu fahren! Auch hier gibt es viel Geschichte, sehr hübsche alte Städtchen auf Berggipfeln (z.B. Acerenza) oder in Höhlen (Matera), gewundene schmale Straßen, sehenswerte uralte Kathedralen, allein 13 !!! Burgen (Melfi, Lagopesole etc.), herrliche Kellereien mit köstlichem Wein (mehrheitlich der tanninhaltige Aglianico, z.B. "Re Manfredi"!), eine wunderschöne Landschaft mit weitläufigen hügeligen Getreidefeldern, herrlichen Wäldern, karstigen Bergen, plüschige alte Thermalbäder - und relativ wenig Strandzugängen!

Maratea wäre für letzteres hier ein guter Tipp (kann man auch gleich noch die große Christusfigur besichtigen, die nach dem Muster von Rio oben auf dem Berg über der Stadt steht), ein kleines Städtchen mit touristischer Infrastruktur, einer Art 'blauer Grotte' und wunderbaren Stränden!

In der Basilikata gibt es eine Menge alter Handwerksbetriebe, in denen man auh gern mal zuschauen kann (Holzbearbeitung von einfachen Schneidbrettern bis zu Intarsienschnitzereien für Möbel, Papp-Maché-Werkstätten, die ganze Dioramen für Schaufenstergestaltungen wie auch Kreuzweg-Darstellungen in Kirchen liefern, Dudelsack-Hersteller, Schneidwerkzeuge, Kupferbearbeitung, Töpferwaren usw. usw.

Die Basilikata ist jedoch Entdecker-Land! Hier zeigt sich kaum etwas zu offensichtlich, hier gibt es nichts "zum schnell Mitnehmen", aber 1000 und mehr überraschende Einsichten, Erfahrungen und ungewöhnliche Erlebnisse sind möglich! Im September gibt es auch in vielen Ortschaften Feste zu Ehren von Schutzpatronen, besonderen Speisen oder auch einfach Erntedankfeste - da ist man dann wirklich mittendrin "gusto per la vita" pur!

Für einen ganz anderen Urlaub mit täglichen kleinen Überraschungen, leckerem Essen und wundervollem Wein und Badeurlaub zu Anfang und Ende das ideale Fleckchen!

Kommentar von Roetli,

Wegen Badeurlaub kann man die Basilicata auch gut mit dem angrenzenden Cilento im Süden Kampaniens verbinden - herrliche Steilküste mit kleinen Sandbuchten und kleinen Fischerorten zum Flanieren unter Italienern! Aus diesem Grund auch schon ziemlich touristisch, aber schön!

Kommentar von Meister,

Super, vielen Dank für Eure Mühen! Nachdem ich mich nach einem günstigen Flug umgeschaut habe werde ich wohl in Bari landen, da die kleineren Flughäfen wie Crotone, Brindisi oder Reggio di Calabria nicht oder nur mit mehrmaligem Umsteigen angeflogen werden. Hatte eigentlich schon ein Auge auf Tropea in Kalabrien geworfen, aber bis dorthin sind es 400 km und auf zu erwartenden kleineren Straßen sicher zu weit, oder? Wir sind 12 Tage unterwegs und wollen alle 3-4 Tage einen Stopp einlegen, wollen schon ein wenig herum kommen, es soll aber auf keinen Fall in Stress ausarten:) Und was ihr über Basilikata bzw. Apulien geschrieben habt hört sich ja auch super toll an! Könntet ihr mir auch noch etwas über Übernachtungsmöglichkeiten sagen? Campingplätze, Wohnungen oder ähnliches? Sollte ich mich schon vorher darum kümmern oder reicht es noch vor Ort? Mit welchen Kosten kann ich dabei rechnen?

Bin für jeden Tipp dankbar:)

Kommentar von Roetli,

Mein Vorschlag für die Basilicata wären Unterkünfte in Agritourismi http://www.agriturismo.it/de/bauernhof/basilikata - die haben den Vorteil, daß es i.d.R. ein sehr gutes und vor allem regionales Essen gibt (und man der Köchin auf Wunsch auch mal über die Schulter schauen darf)! Es gibt in den größeren Orten einige wenige Hotels, aber die sind eher gesichtslos - abgesehen vielleicht von den 'Höhlen-Hotels' in Matera. In Maratea und den anderen wenigen Küstenorten gibt es auch Ferienwohnungen oder Bungalows auf Campingplätzen!

Die Kosten hängen immer vom Datum und der Ausstattung/Typ des jeweiligen Hauses ab, aber da Ihr in der Nebensaison unterwegs seid, sollte das überschaubar bleiben bzw. kann man auch mal ein wenig 'nachverhandeln' :-)!

Apulien und Basilicata lassen sich zwar gut verbinden, aber bei 12 Tagen wäre das schon sehr ambitioniert - auf den kleinen gewundenen Straßen fährt es sich zwar gut, aber auch relativ langsam (sonst sähe man ja auch kaum was!). Kalabrien noch dazu würde ich komplett abraten! Aber wenn Ihr mehrfach in der Toskana wart, könntet Ihr ja vielleicht auch ein zweites Mal in den tiefen - allerdings kargen - Süden fahren!

Wegen Anflug: Neapel wäre gut geeignet für Basilikata, vielleicht auch für Apulien - von dort führt die weitestgehend kostenfreie Autobahn bis fast Potenza (ca. 160km) oder auch Bari (etwa 250 km - kostet allerdings etwas, aber im Süden ist die Autobahn günstig!)

Antwort von RomyO,
4 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Hallo,

ich kenne nur Apulien. Aber dort hat mir sehr gut die Gargano-Halbinsel gefallen.

Dort findest Du eine Menge sehr hübscher Orte, wie z. B. Vieste, das sich wunderbar zum Flanieren eignet. Sehr schön ist auch Peschici oder der Wallfahrtsort Monte St. Angelo. Es gibt tolle Natur zum Wandern und herrliche Strände mit zum Teil kristallklarem Wasser. Manche kann man allerdings nur per Boot erreichen.

Wir verbrachten damals auch ein paar Tage in der Trulli-Region, doch ich fand eigentlich nur diese ungewöhnlichen Rundhäuser in dieser Ecke Apuliens besonders beeindruckend...

Unbedingt besuchen sollte man natürlich noch das berühmte Castel del Monte.

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